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Das muss mal gesagt werden

Autor: Peter Greif
Newsletterdatum: 22.10.2013

So eine Zeit verzeihe ich nur Anfängern, Fetten, Alten und Kranken. Für die anderen ist das Lustwandeln, aber kein Wettkampf. Da sind ja Walker fast schneller. So versuche ich sogar mit Spitzen, Flüchen und Beleidigungen die Schleiffüße zum Rennen zu bringen, aber es scheint zwecklos zu sein.

Anscheinend stehe ich mit meiner Kritik allein auf weiter Flur. Fachzeitschriften und Tagespresse geben diesen Typen oft auch noch eine Bühne. Kaum jemand legt den Finger in die Wunde des Leistungsversagens. Einige andere Trainer schrauben die Anforderungen immer weiter herab und machen auf Gutmensch.

Streichel, Kuschel und Wellness-Hopphopp sind angesagt. So nach dem Motto: Wenn es mir schon nicht gelingt, meine Leute zu guten Leistungen zu treiben, dann will ich wenigstens nicht so ein »Trainingsverbrecher« wie Peter Greif sein.

Es ist fast hoffnungslos! Manchmal plagen mich schon Albträume, dass gar der Zeitpunkt kommen könnte, an dem kein Marathonläufer bei uns mehr unter die 3 h kommt. Hilfe!!! Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie viele Mails ich von Läufern bekomme, die drei- bis viermal in der Woche trainieren und Angst vor Übertraining haben.

Es fehlt so vielen von uns an Selbstvertrauen, Zeit und Courage zum harten Training. Und ich will und kann nicht glauben, dass die uns nachfolgende Generation nun mit völlig neuen Genen ausgestattet ist. Und dass es unsere deutschen Männer 2012 durchschnittlich nur noch auf eine 4:01:50 brachten, lässt mich fast verzweifeln.

Und weil ich etwas gegen solche Schleichzeiten habe, mich schäme für diese Schlaffgurken, motiviere, drohe und beleidige ich die, die können und nicht wollen. Verzeih mir bitte, ich kann nicht anders, und nimm es nicht persönlich.

Warum ich das mache? Diese Frage ist berechtigt. Meine Intention dabei ist nicht, eventuell schwächere Läufer oder Läuferinnen zu beleidigen, sondern ich versuche zu motivieren. Ich fühle mich dabei wie ein Kapitän, der auf einem durchlöcherten Schiff steht und versucht seine Mannschaft zum Stopfen der Löcher zu motivieren.

Deinen sportlichen Wert mir gegenüber drückst du nicht mit deinen Wettkampfzeiten aus, sondern mir ist es wichtig, dass du dich entwickeln willst. Du solltest einen großen Traum und ein aktuelles Ziel haben, dann werden wir Freunde.

Genauso werden wir Freunde, wenn du nur ein Gesundheitsläufer oder Läuferin bist, um dich fit und gesund zu halten. Ich freue mich über jeden Einzelnen, der sich überhaupt laufenderweise bewegt.

Auf der anderen Seite möchte ich mit allen Mitteln versuchen, dass unser Schiff »Langstreckenlaufen nicht zu einem »Langstreckenschleichen« degeneriert. Dazu ist, wie man liest, auch das scheinbare Mittel der Beleidigung recht.

Alles, was ich manchmal so an Sprüchen raushaue, ist nicht wirklich ernst gemeint, sondern ich nenne es »sticheln«. In Wirklichkeit kümmere ich mich um leistungsschwächere Läufer in unseren Trainingsurlauben genauso wie um die Spitzenläufer.

Du kannst sicher sein, dass die Teilnehmer es mir mit gleicher Münze zurückgeben, und das kann ich auch vertragen. So haben wir zusammen eine Riesenmenge Spaß dort. Mein Standardspruch in diesen Trainingsurlauben ist: »Nun lauf mal etwas schneller, wir sind schließlich nicht zum Urlaub hier.«

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