Anmelden | Registrieren |   0 Artikel 0.00 €
0
Sie haben keine Artikel im Warenkorb.

Marathontempo wissenschaftlich, Teil 2

Autor: Peter Greif
Newsletterdatum: 26.07.2016

Aber gibt es wirklich keinen Unterschied zwischen Sammlern und Jägern? Oder sind die beiden Gruppen vielleicht einfach zu weit gefasst? Legen wir eine Lupe an. Und tatsächlich, eine detaillierte Untersuchung nur mit Läufern dieser beiden Gruppen kommt zum Ergebnis, dass das Optimum fast genau an der Grenze zwischen Sammlern und Jägern verläuft. Unser 45-jähriger Normläufer braucht demnach nur 3:46 Stunden, wenn er seine Pace bis Kilometer 25 exakt konstant hält (Abbildung 7). Und diese Finisherzeit verschlechtert sich schon um eine Minute, wenn er auf den ersten 25 km nur 2 sec/km schneller wird (zu langsam losgelaufen) oder 3 sec/km langsamer wird (zu schnell losgelaufen).

Abbildung 7: Regression auf die Zielzeit – nur Jäger und Sammler

Auswirkung Einbruchrate auf Zielzeit (nur Jäger und Sammler)
Einbruchrate (e) = Veränderung Pace auf km 16-25 gegenüber km 1-10 (Abb. 7b)

Quelle: SCC Events / Berlin Marathon 2015

Was lernen wir daraus?

Ein bekannter Trainer propagiert den Negativ-Split. Demnach sollte das Tempo auf den ersten 25 km um 7 sec/km steigen (Peter Greif: „Count-Down-zur-Bestzeit“). Ist diese Empfehlung nun widerlegt? Vermutlich nicht. Denn die präsentierte Analyse hat ein entscheidendes Manko: Sie baut allein auf Daten zur „offenbarten“ Taktik. Wir wissen nicht, ob die Taktiken so geplant waren oder ob sich die Läufer nach dem Start und im Laufe des Rennens zum „falschen“ Tempo hinreißen ließen. Und selbst wenn alles nach Plan verläuft: Jeder halbwegs erfahrene Läufer kennt zwar sein realistisches Tempo. Aber kennt er es auf die Sekunde genau? Und wer rechnet sich vor dem Wettkampf seine Form nicht gerne schön?

Von der Ziellinie rückblickend mag aus der Sicht des Statistikers also das konstante Anfangstempo die richtige Wahl sein. Von der Startlinie vorausblickend dürfte sich aus Läufersicht aber dennoch eine gewisse Zurückhaltung beim Anfangstempo auszahlen. Denn eines zeigt die Untersuchung auf jeden Fall: Es kommt auf Sekunden an. Schon minimale Abweichungen in der Anfangsphase werden am Ende mit etlichen Minuten bestraft – und zu schnelles Loslaufen stärker als zu langsames.

Abbildung 8: Platzierungsverbesserung auf der zweiten Hälfte

Quelle: SCC Events / Berlin Marathon 2015

Und seit der Fußball-EM wissen wir es ohnehin besser: Für die Selbstver-marktung zählen weniger die Tore (vulgo: Zielzeiten). Was da zählt, ist die packing rate! Und tatsächlich ist doch nichts schöner und motivierender als das Überholen in der zweiten Halbzeit. Diese Wertung gewinnt zwar die Los-Schlurf-Taktik mit einer durchschnittlichen Platzierungsverbesserung um 2.910 Plätze ab der Halbmarathonmarke (13%; vgl. Abbildung 8). Gleichwohl verbessern sich – bei schnelleren Zielzeiten – auch die Greifschen Jäger noch um 10%, während Sammler dann nur noch 2% vorankommen. In diesem Sinne: Wir packen das!

Zurück zum Seitenanfang