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Wenn der Puls dich reinlegt!

Autor: Peter Greif
Newsletterdatum: 25.03.2014

Das heißt mit anderen Worten: Wenn du deine Beine anstrengst, dann wird dir dein Herz auch die nötige Leistung liefern. Es nützt dir nichts, wenn du ein besonders leistungsfähiges Herz-Kreislaufsystem hast, aber deine Muskeln schlapp sind. Gerade diese "Denke" geht in ungezählte Köpfe nicht rein. "Aber ich trainiere doch mein Herz, davon werde ich stärker!" Leider nein!

An dieser Stelle muss ich immer das Beispiel vom schlauen Thomas bringen:

Vorsicht Satire: Er als älterer Läufer hatte den Stein der Weisen gefunden. Ihm taten schon seit einiger Zeit die Knie weh, wenn er länger und schnell lief.

Nach genauem Literaturstudium in der "Apotheken-Schundschau" und in "Fit for Fat" kam ihm die geniale Idee: In der Sauna steigt die Herzfrequenz doch durch die Wärmebelastung erheblich an. Und bei "Fit for Fat" fand er, dass eine Trainings-Herzfrequenz zwischen 110 - 120 Schlägen in der Minute ideal ist. Und da stand auch noch, dass ältere Läufer auch noch mit niedrigerem Puls ihre Leistung verbessern können.

Thomas rechnete und sein Entschluss stand fest: "Zwei von drei Trainingseinheiten mache ich jetzt in der Sauna!" Thomas drehte den hauseigenen Schwitzkasten so richtig auf, nahm sein bestes Handtuch, den Pulser und setzte sich erwartungsfroh auf die Saunabank. Und das Wunder geschah vor seinen Augen. Die Herzfrequenz stieg bis auf 117. Thomas jubelte.

Da unser Thomas bekanntermaßen nicht auf den Kopf gefallen ist, überlegte er, dass man, um so richtig nach vorn zu kommen, auch Tempoläufe machen sollte. Doch die waren wegen seiner Knie schon lange nicht mehr in seinem Programm. Und dann hatte er die göttliche Eingebung: Der Aufguss, der muss es bringen, denn der müsste den Puls noch weiter nach oben treiben.

Thomas lief trotz der Hitze eine Gänsehaut den Rücken runter. Heureka! Schon flossen gleich mehrere Liter Wasser über die Glut des Saunaofens. Er keuchte, es brannte auf seiner Haut, aber Thomas gab alles. Sein Puls ging noch einmal um 12 Schläge nach oben. Jubel in seiner Seele und Vorfreude auf kommende Altersklassensiege blitzten durch sein Gehirn.

Bald fiel aber die Herzfrequenz wieder, der Aufguss war verraucht. Thomas grübelte und kam zu göttlichen Eingebung: „Ja, ja, mehrere Wiederholungen, Intervalltraining, das isses!!“ Mit Begeisterung goss er noch einmal auf und jubelte als sein Pulser abermals reagierte. Und Thomas konnte immer noch! Ihm war zwar heiß wie einem Krebs im Kochtopf, aber er wollte es jetzt richtig wissen.

Der nächste Aufguss zur letzten Wiederholung wurde mit einem Glas Slibowitz und 50 Tropfen Minzöl gedopt. Diese Mischung ballerte er dann mit Glückserwartung über die Glut und floh dann von beißenden Dämpfen getrieben augenblicklich aus seiner Sauna. Vor der Tür stand er da und keuchte: "Das Tempo der letzten Wiederholung war eindeutig zu hoch."

Stolz trat Thomas am nächsten Mittwoch bei seinem Lauftreff an und reihte sich wie gewohnt in Gruppe 6 ein, im Jargon "Hoffnung, Übergewicht und Kannstenicht" genannt. Ganz beiläufig berichtete er, dass er nun nicht mehr lange in dieser Gruppe bleiben könne, weil er ein Geheimtraining erfunden habe, welches ihn bald dazu befähigen würde, mindestens in Gruppe vier mitlaufen zu können.

Am diesem Tag lief Thomas in seinem Rahmen, musste aber dennoch abreißen lassen, denn seine Kumpel erhöhten das Tempo merklich, weil er mit der bezeichnenden Handbewegung und kräftigen Worten andeutete, dass er schon in 2 - 3 Wochen die ganze Gruppe "zersägen" werde.

Aber auch in der vierten Woche hagelte der Hohn des Lauftreffs weiter auf ihn ein. "Na Thomas, dein Geheimtraining ist wohl doch nicht das, was du dir davon versprochen hast?" Oder: "Thomas, was ist denn los, wann fängst du denn nun mit dem Zersägen an?" Thomas schmerzte dieser Hohn und er überlegte. Habe ich einen Fehler gemacht? Und er schaute noch einmal in der Pulser-Gebrauchsanweisung nach und auch daraus konnte er wiederum herauslesen, dass er alles richtig gemacht hat.

Nach weiteren Überlegungen wurde ihm dann endlich klar, woran es gelegen hatte. Der Slibowitz im letzten Aufguss war schon drei Jahre alt aus dem Kroatienurlaub 2011. Na klar, das war es, der Tempolauf war zu schlaff!

Nun versucht es Thomas abermals in der Sauna, verlegte diese aber gedanklich in den Wald, in dem er den Aufguss mit Fichtennadelöl aromatisiert. "Mir ist das Training im Wald schon immer besser bekommen als auf der Bahn."

Und wenn Thomas nicht gestorben ist, dann trainiert er voller Hoffnung weiter in der Sauna. Entschuldige bitte, dass ich etwas in die Satire abgeglitten bin. Aber dir wird dabei sicher klar geworden sein, dass du dein Herz so lange belasten kannst wie du willst, wenn du dabei keine Muskeln bewegst, wirst du keine Sekunde schneller werden.

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