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Fettverzehr ist nicht am Übergewicht schuld

Autor: Peter Greif
Newsletterdatum: 11.03.2014

Zwar fällt der Zeiger der Waage, aber im Gleichklang dazu auch der Busen. Diesem Fallen folgen aber Wutausbrüche: "Es sollte doch an den Oberschenkel verschwinden und nicht an meiner Brust"

Aber es kommt noch schlimmer! Wenn die erste sagt - es ist niemals ein Mann! - du siehst aber schlecht aus, bist du krank? Dann ist der Bruch der ersten Fettkampf-Barriere nicht mehr weit. Prüfend vor dem Spiegel werden außer abgesunkenen Milchdrüsen, tatsächlich weniger volle Lippen, eingefallene Wangen und vielleicht sogar eine spitze Nase konstatiert.

Im Bett beklagt der Mann sich über mangelnde Kuscheligkeit und horcht ob schon etwas klappert. Dahingegen hofiert das grüne Neidgesicht der besten Freundin, ob der frisch erworbenen Schlankheit, die Seele. Wie auch immer, das Ende einer solchen Kur ist immer negativ.

Den Kampf gegen den Hunger kann niemand gewinnen, auch unsere Mama nicht. Irgendwann gibt sie auf und frönt wieder mit Lust der Nahrungsaufnahme. So schlimm sind ein paar kg zuviel ja nun auch nicht. Die Sahne rutscht wieder und die 3 Pralinen können doch nicht schädlich sein. Mama ist wieder rund, kuschelig und zufrieden, bis sie wieder vor dem Spiegel steht: "Du bist zu fett!"

Aber wie wird man denn nun sein Fett los, wenn nicht durch weniger essen? Ich wäre ja kein Lauftrainer, wenn sie von mir nicht ein Rezept für stramme Waden, schlanke Oberschenkel und einen Strammpo erwarten könnten: Gehen sie laufen! Nein, nein nicht joggen! Joggen ist eine amerikanische Erfindung zur Erhaltung von mittelmäßiger Schwabbelligkeit. Joggen ist fast so schlimm wie Nordic Walking, aber nicht so schlimm wie Nichtstun. Laufen hingegen bringt dauerhaften Gewichtsverlust, mehr Gesundheit und besseres Aussehen.

Was unterscheidet denn nun einen Jogger(in) von einem Läufer(in)? Erstere Art der Bewegung ist aus dem Märchen entstanden, dass es eine langsame Laufbewegung gibt, die optimal und genug Fett verbrennt. Die so genannte Fettverbrennungszone wurde geboren und Millionen von Menschen in den Komfortzonen der atlantischen und pazifischen Länder trippeln im Zuckeltrab dahin und hoffen auf das Schmelzen ihrer persönlichen Ölvorräte.

Die Fettverbrennungszone fand Eingang in die Pulsmessgeräte und wurde Standard in jedem Fitnesscenter. Um Himmelswillen nicht nach oben raus aus dieser Zone, wer zu schnell läuft, verbrennt kein Fett sondern Kohlenhydrate.

Was nun leider schlicht weg Unsinn ist. Das meiste Fett verbrennt man dann, wenn man seine höchstmögliche Dauerleistung bringt. Was das ist?

Wir Läufer nennen diese Übungsform Tempodauerlauf. Bei jemandem, der nur abnehmen will und drohende olympische Ehren nicht im Sinn hat, wird so ein Lauf nicht besonders nach Tempo aussehen, er bleibt aber dennoch hoch wirksam in Hinsicht auf den Fettabbau.

Bei 30 min im schnellstmöglichen Tempo steigt der Energieverbrauch in geradezu verzückende Höhen. Wer 70 kg wiegt, verbraucht bei 10 km/h (6 min/km-Tempo) ungefähr 250 kcal in 30 min, aber bei nur 3 km/h schneller (4:37min/km) schon an die 600 kcal. Der Kalorienverbrauch wird durch die Tempoerhöhung mehr als verdoppelt.

Natürlich ist das nicht alles Fett, was bei dem schnellen Lauftempo verbrannt wird, darauf kommt es aber auch nicht an. Um abzunehmen ist nur eines wichtig: Mehr Energie verbrauchen als aufnehmen. Die 250 kcal von 30 min joggen, die können sie getrost vergessen.

Diese Energiemenge ist schon in einem halben Liter Cola oder Orangensaft enthalten. Die 600 vom schnellen Dauerlauf, die sind schon ordentlich was und die bleiben nicht allein, denn beim Auslaufen und später in Ruhe verfeuert der Organismus weiter fleißig Fett. Da können sie sich noch einmal gut 100 - 150 Kalorienchen abschreiben.

Hört sich alles sehr schön an, aber so ein schneller Dauerlauf ist kein Zuckerlecken, der erfordert Willen und Härte und ist auch nicht leicht erlernbar. Wenn sie damit starten wollen, dann sollten sie kein völliger Anfänger sein. 30 min lockeres Joggen darf ihnen kein Problem bereiten.

Suchen sie sich eine Strecke aus, machen sie sich klar, dass sie nun eine halbe Stunde so schnell wie möglich laufen wollen. Grundsatz: Aufgeben gilt nicht und gehen ist pfui! Dazu müssen sie am Anfang mit einer moderaten Geschwindigkeit loslaufen und diese langsam so weit erhöhen, bis sie das Gefühl haben dieses Tempo 30 min durchlaufen zu können.

Wenn sie die halbe Stunde um haben, markieren sie die Stelle bis zu der sie gekommen sind ganz genau. Das ist jetzt ihre Marke, ihr Standard. Wenn sie den schnellen Dauerlauf nun wiederholen, versuchen sie unbedingt ein Stück weiter zu kommen als beim ersten Mal.

So versuchen sie bei jedem 30 min-Training einige Meter weiter zu kommen. Das gelingt keinesfalls bei jedem Mal, oft bleibt man weit hinter seinem Rekord zurück, denn nicht an jedem Tag ist die Form gleich. Aber wer dranbleibt und weiter kommen will, der gewinnt an Tempo, Kraft und Selbstwertgefühl, verliert aber, oh wie schrecklich, Gewicht.

Diese Art Training hat aber auch seine Grenzen: Sie dürfen es nicht mehr als zweimal in der Woche durchführen, denn dann hat es negative Auswirkungen auf ihre Gesundheit. Und was sie als ebenso schlimm empfinden werden, ist die Tatsache, dass es beim übertriebenen Gebrauch der Droge Tempodauerlauf bald zu einem Formzusammenbruch kommt. Gestern liefen sie noch wie ein junger Gott durch den Park und heute bekommen sie vor Kraftlosigkeit nicht mehr die Beine hoch.

Ich empfehle ihnen zu dem zweimaligen Einsatz eines schnellen 30-minütigen Dauerlaufs pro Woche, eine weitere lange Einheit von einer Stunde in einem für sie angenehmen Joggingtempo. Denn aufgrund der schnellen Einheiten konsolidiert der langsame Lauf ihre erworbenen Fähigkeiten und verbessert die Ausdauer.

Wenn sie nun glauben, dass alles was ich hier schreibe, nur so eine spinnerte Idee von mir ist, weil doch fast die ganze Welt vom Jogging als Fettkiller spricht, dann kann ich ihnen versichern: Mitnichten, das ist alles wissenschaftlich untersucht und es funktioniert auch in der Praxis, was viel wichtiger ist! Also ran an den schnellen Dauerlauf. Versuchen sie es, ihre Fettschicht wird sie dafür hassen."

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