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Wer vor Ehrgeiz brennt, kann auch verbrennen

Autor: Peter Greif
Newsletterdatum: 17.08.2010

Wenn man den Totunglücklichen dann auf sein fehlerhaftes Verhalten hinweist, dann reagiert er in der Regel einsichtig. Als Erklärung für seinen selbstschädigenden Trainingsstil gibt er ein schlechtes Gewissen an, wenn er nicht hart und schnell trainiert.

Er weiß im Grunde genommen ganz genau, dass er sich mehr Ruhe lassen sollte, aber dieses schlechte Gewissen treibt ihn immer wieder in die Falle des Übertrainings. Das Ganze ist ein psychisches Problem, welches auch bekannt ist und meist schon in der Kindheit gelegt wird.

Nach so einem Gespräch und viel Verständnis von beiden Seiten, gelobt der Betroffene Besserung und läuft am nächsten Tag betont ruhig. Aber nur diesen einen Tag. Schon am Folgetag "fliegt" er wieder. "War doch locker!"

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass diese Charakterstruktur von einem Trainer nicht heilbar ist. Diese Leute bleiben wie sie sind. Schlagen sich mit Ermüdungsbrüchen, Achillessehnenentzündungen, Wettkampfversagen und einigen wenigen glückhaften Wettkampfmomenten umher und machen immer weiter, bis sie schließlich am Ende sind und es geht gar nichts mehr.

Oder wenn sie Glück haben, dann fallen sie in die Hände eines Psychologen, der könnte ihnen vielleicht helfen. Erlebt habe ich das leider noch nie.

Es gibt noch eine sportliche Todsünde, die nicht nur die "Flieger" unter uns begehen. Das sind die Rekordläufer auf der 35 km-Trainingstrecke. Hier wird versucht, diese Distanz möglichst in Reihenfolge zum Marathon hin immer schneller zu laufen.

Daraus folgt dann eine Überforderung, ein Untertraining des Fettstoffwechsels und ein Versagen im Wettkampf. Mir wird dann immer vorgehalten, dass ich doch der Auslöser sei, mit meiner Erfindung der strukturierten Endbeschleunigung.

Letzteres stimmt, aber ich habe niemals geschrieben oder gesagt, dass man auch die km vor der Endbeschleunigung schnell laufen soll. So ein Verhalten ist schlichtweg kontraproduktiv. Wenn in der direkten Marathonvorbereitung in den letzten 8 Wochen vor dem Rennen mit der Endbeschleunigungsserie begonnen wird, dann sollte der "Anlauf" bis zum Punkt des Starts der Endbeschleunigung ganz ruhig sein.

Man läuft im langsamen extensiven Bereich völlig entspannt bis zum Startpunkt, zum Beispiel bis 3 km vor dem Ziel und dreht dann auf und zwar mit allem was man hat. Dabei sollte man möglichst in die Nähe seines Marathon-Renntempos kommen.

Der Hintergrund ist der, dass man auf den ersten km des "Anlaufs" erst einmal seinen Fettstoffwechsel optimieren kann, um dann am Start der Endbeschleunigung bei voll laufendem Fettstoffwechsel auch noch die Kohlenhydrat-Verbrennung bis an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit zu treiben.

Die Erklärung des Nutzens der Endbeschleunigung für den Stoffwechsel ist die eine, die andere ist die Auswirkung auf die Psyche. Denn du musst ein erheblich höheres Tempo laufen und das im Zustand einer schon sehr starken und weiter fortfahrenden Ermüdung.

Und das hilft dir dann im Marathon. Du hast keine Angst mehr, dass du am Ende nicht mehr kannst und eventuell nicht in das Ziel kommst. Andererseits hiilft dir das aber auch nicht viel, wenn du schon vom Start des Trainings möglichst schnell losläufst, um dann am Ende langsam einzugehen. Das schadet deiner Psyche und vergrößert den Respekt vor der Strecke. Und das ist alles andere als sinnvoll.

Zudem wirst du erleben, dass du zwar oft deine Trainings über km immer schneller laufen kannst, wenn du dann aber in das Rennen kommst, spürst du die große Leere in dir. Hohl und ausgebrannt. Schon dieses Gefühl macht dich fertig und verhindert noch zusätzlich, dass du wieder auf die Beine kommst.

Zu Ende kommend meine Ratschläge zusammen gefasst: Du kannst ohne Probleme in der direkten Wettkampfvorbereitung bei den Tempoläufen richtig Gas geben und auch um deine Zeit kämpfen. Aber lasse dir in den Zwischentagen Ruhe, versuche nicht die regenerativen und extensiven Einheiten auch auf Tempo zu laufen.

Höre auf deinen Körper: Er sagt dir, ob du heute besser langsamer laufen sollst oder nicht. Denke daran, dass dich zwar ein dauerhaftes zu hohes Tempo schneller in Form bringt. Aber eine hochgepeitschte Form auch schnell wieder zu Ende ist.

Denke daran, dass je intensiver die Tempoeinheit war, desto regenerativer sollten die nachfolgenden Tage sein.

Und wenn du die 25 oder 35 km läufst, dann lasse es langsam angehen. Nimm deine Zeit nur über die Endbeschleunigungs-km. Das ist dein Trainings-Leistungs-Maßstab und nicht die Zeit über die Gesamtstrecke. Einmal in den 8 Wochen kannst du es versuchen sie mit ganzer Kraft zu laufen, aber mehr geht nicht.

Sonst liegst du sinnbildlich bald in der Leistungsurne, bist einfach verbrannt. Aber ich weiß, dass du es nicht so weit kommen lässt. Deine Halb- und Marathonrennen in diesem Halbjahr werden großartig, weil du, wenn du auch so ein "Flieger" bist, endlich gelernt hast dich zusammen zu nehmen.

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