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Laufstil verbessern, aber wie?

Autor: Peter Greif
Newsletterdatum: 22.09.2015

Ich bin gespannt, ob die Wissenschaftler uns Läufer und auch Trainer helfen können. Da bin ich sehr skeptisch. Denn was zeigt die Praxis? In den ersten 10 - 15 Jahren meiner Arbeit mit Breiten-und Spitzensportlern zeichnete sich folgendes ab:

Wir boten in unseren Trainingsurlauben allen Teilnehmer eine Laufschule an. Laufschule heißt, den optimalen Bewegungsablauf beim Laufen zu lernen.

Wir gingen folgendermaßen vor, indem wir mittels einer Läuferin oder Läufer zeigten, wie ein optimaler Bewegungsablauf aussehen sollte. Einige Teilnehmer führten dann die Laufschule vor. Das waren meist meine Athleten und Athletinnen aus der LG Seesen, die diese Übungen beherrschten.

Danach baten wir jeden einzelnen Teilnehmer über eine Strecke von 50 Meter zu laufen. Und das Ganze jeweils hin und zurück im Tempo eines ruhigen Dauerlaufs.

Dann wiederholten wir das über die gleiche Distanz mit einem Tempolauf in etwa Marathon-Renntempo. Danach wurde jeder Läufer und jede Läuferin beraten, ob sie einen optimalen Bewegungsablauf hatten oder sie etwas verbessern müssten.

Wir wiesen auf die Fehler hin und zeigten auch die Übungen, wie man diese ausmerzen kann. Das empfanden die meisten als sehr gut, aber es war doch ein hoher Anteil der Übenden, die meinten, wir hätten ihren Laufstil nicht korrekt bewertet. Sie meinten, ihr Stil wäre besser als die Beurteilung.

Es entstand eine Riesendiskussion um diese Sache, aber schließlich und endlich schworen alle, zuhause kräftig zu trainieren und beim nächsten Mal vorzuführen, was sie gelernt hatten.

Sehr schön, wir waren voller Vertrauen, dass ein Jahr später dann die Bewegungsabläufe deutlich besser sein würden. Und was passierte im nächsten Jahr? Nichts, es war unglaublich, nicht eine einzige der Personen hatte ihren Laufstil geändert.

Wir waren völlig frustriert und konnten es schier nicht fassen. Auf Nachfrage berichteten sie, dass sie zumindest einmal in der Woche ein paar Laufschulübungen eingestreut hätten.

Nachgedacht kam ich auf den Trichter, dass diese Teilnehmer sich ja nicht selbst sehen können und somit auch keine Fortschritte erzielen konnten. Zudem sie zu Hause praktisch alle ohne Trainer arbeiteten.

In einem der nachfolgenden Jahre holten wir uns einen Videospezialisten, der mit der großen Kamera alle Teilnehmer in diesem Trainingsurlaub filmte. Das Procedere lief so, wie oben beschrieben. Wir zeigten jedem Einzelnen seine Schwäche. Und gaben abermals Hinweise, zuhause kräftig zu üben.

Nun waren wir davon überzeugt, dass beim nächsten Trainingslager dann alle mindestens eine kleinen Fortschritt erzielt haben müssten. Erwartungsvoll führten die Läufer und Läuferinnen ihre Künste vor.

Und? Nichts! Ich hätte mich fast auf den Boden werfen können, weil abermals keiner der Übenden auch nur einen kleinsten Fortschritt aufzeigen konnte.

Aber Nachdenken soll ja helfen und das tat ich. Mir wurde klar, dass ein Läufer oder eine Läuferin ohne eine zweite beobachtende Person sich nicht verbessern kann. Denn die Übenden können nicht selbst fühlen, wie sie sich bewegen müssten, um einen sauberen Laufstil zu entwickeln.

Erfolg erzielen können die Betroffenen erst, wenn sie zuhause mit jemand arbeiten können, der die Akteure filmt und anschließend die Bilder vorführen kann. Erst dann mit der Kritik und den Hinweisen des Trainers, sowie des selbst gesehenen Bilds, hat der Läufer eine Möglichkeit sich zu verbessern.

Ja, heute kann ich dir leider kein leichtes Rezept anbieten, wie du es als Leser dieses Newsletters gewohnt bist. Aber ein Trost: Wenn du richtig schnell laufen kannst, dann ist der Laufstil völlig egal.

In meinen 34 Jahren als Trainer habe ich Läufer und Läuferinnen gesehen, die mir Augenschmerzen verursachten, aber am Ende doch siegten.

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