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Ticks, Marotten und Fehlleistungen von Läufern

Autor: Peter Greif
Newsletterdatum: 26.11.2013

15 Kilometer auf der Straße sollten entscheiden, wer nun bei diesen Spielen dabei sein dürfte. Es waren wohl sechs Teilnehmer, die sich vorqualifiziert hatten. Dabei zwei Jungen, K. und E. aus unserem Verein, der LG Seesen.

Nach zehn Kilometer konnten sich beide von den anderen absetzen. K. war deutlich stärker, aber F. war am Rande seiner Möglichkeiten und hatte nichts mehr zuzusetzen. Der deutlich stärkere redete nun auf seinen Sportfreund ein, weiter mit ihm mitzulaufen. Er nahm das Tempo etwas zurück und gab ihm Windschatten.

Er schleppte seinen Mannschaftskameraden, ihn immer weiter anfeuernd, schier in das Ziel. Dieser setzte 20 Meter vor dem Zielstrich ganz überraschend zu einem kurzen Spurt an und erreichte als erster das Ziel.

Wie schon gesagt, ich erinnere mich nicht mehr genau, ob schließlich beide oder nur einer zu dieser Meisterschaft mitgenommen wurde. Das eigentliche Resultat war, dass sie beide zukünftig kein Wort mehr miteinander wechselten.

Über die Eifersüchteleien der Damen aus der damaligen LG Seesen möchte ich an dieser Stelle nicht schreiben. Zwischen denen herrschte ein permanenter Zickenguerillakrieg. Du wirst dich Fragen warum Guerilla.

Die Antwort ist: Diese Kampfhandlungen fanden nur im Hintergrund statt und alle behaupteten, dass sie bestens miteinander auskamen. Darum schweige ich jetzt auch an dieser Stelle, denn in mir lauert immer noch eine permanente Angst, dass mir irgendwann das eine oder andere Auge ausgekratzt wird.

Bei den Männern war das natürlich ähnlich, aber die trugen die Kämpfe offener aus. Bei diesem Thema kommen mir wieder zwei Jugendliche in den Sinn, die unseren ganzen Verein für einige Zeit in Unruhe versetzt hatten.

Die Hauptfigur war M., ein hochbegabter Jugendlicher. Dieser gewann, obwohl körperlich unterentwickelt, in unserer Region alles. Nun wollte mit V. ein zweiter Jugendlicher auch zu unserem Training kommen, dieser ging mit M. in eine Klasse. M. protestierte heftig: "Mit dem rede ich kein Wort. Er hat einmal etwas gemacht, was "unmöglich" ist". Und M. setzte mir auch gleich ein Junktim: "Wenn der hier in den Verein kommt, trete ich sofort aus."

Da kam er bei mir an die richtige Adresse, die nachfolgende Kopfwäsche war ziemlich rau. Er zog beleidigt von dannen und V. lief beim nächsten Training mit. Unser Jungstar hatte wohl sein Junktim vergessen, war auch beim Training, würdigte den Neuankömmling aber keines Blickes. Das ging ein paar Tage so und plötzlich kamen beide fast Händchen haltend, lächelnd zum Training und waren von diesem Tag an ein Herz und eine Seele.

Das ganze ging aber dennoch von der sportlichen Seite aus gesehen tragisch aus. Beide Freunde waren Spätentwickler und im Laufe der Zeit gewann M. fast kein Rennen mehr, weil die Konkurrenz im Gegensatz zu ihm schon mit der Pubertät durch war.

Nun trugen die beiden immer das Wort von den Mutanten im Mund, gegen die sie laufen müssten und dem Trainer, der das nicht verhindern konnte. Jede Einheit wurde kritisiert, alles was unser Verein machte war falsch und der Trainer beschränkt. Der riet den beiden, sich einen anderen Trainer zu suchen.

Die Folge war, dass beide abrupt mit dem Training aufhörten und keinen Schritt mehr liefen. Der Kontakt zu den Mannschaftskameraden und zu mir wurde völlig abgebrochen, auch in der Szene wurden sie niemals wieder gesehen.

Jahre später gestand M. mir, dass ich bei dem Rauswurf richtig gehandelt hätte und er später erst erkannte, dass unser Training das beste war (was natürlich völlig übertrieben ist). Er ist jetzt höchst erfolgreich auf einer anderen sportlichen Ebene tätig. Mir erscheint es darum nicht sinnvoll, ihn aus der Anonymität hervorzuheben.

Man kann den Jugendlichen auch keinen Vorwurf machen, denn sie handelten damals aus der Überzeugung völlig im Recht zu sein. Und wenn wir beide zurückdenken, dann war es bei uns nicht anders. Und in der Sicht auf alle anderen, die hier beschrieben wurden, sollten wir uns an einen Ausspruch aus unserer Gegend halten: Ne´ kleine Macke hat jeder!

Wenn mir keine wichtigeren Themen in den Sinn kommen, findest du in der nächsten Woche an dieser Stelle einen Text über die Trainingsverrückten. Mich gruselt es jetzt schon!!!

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