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Machen schwere Schuhe langsamer?

Autor: Peter Greif
Newsletterdatum: 01.11.2016

Aber diese Behauptung wurde nur selten in der Praxis getestet. In einer Studie, die im Fachjournal Medicine & Science in Sports & Exercise veröffentlicht wurde, untersuchte ein Forscherteam vom Rodger Kram?s Locomotion Laboratory von der University of Colorado in Boulder unter der Leitung von Wouter Hoogkamer nun diese These.

Die Studie verwendete speziell modifizierte Laufschuhe, mit einem Grundgewicht von rund 200 Gramm (je nach Größe). Bei einigen Schuhen wurden kleine Bleikugeln mit einem Gesamtgewicht von 100 Gramm in die Zunge eingenäht, während die restlichen Laufschuhe mit 300 Gramm Bleikugeln in der Zunge sowie an den Seiten des Schuhs versehen wurden.

Frühere Forschungen hatten ergeben, dass die Leute das Gewicht der Schuhe nur bemerkten, wenn sie sie in der Hand hielten, jedoch nicht, wenn sie sie an den Füßen trugen.

Also gebrauchten die Wissenschaftler sehr leichte (4,6 Gramm), unechte Beschleunigungssensoren und erzählten den Probanden, dass diese sehr empfindlich seien, sodass sie nur durch die Forscher selber am Schuh befestigt werden dürften.

Das Resultat war, dass nur einem der 18 Testpersonen (alles 5-Kilometer-Läufer mit Bestzeiten von unter 20 Minuten) ein Unterschied auffiel ? weil er breite Füße hatte und bemerkte, dass die Schnürsenkel bei der schwersten Version kürzer waren.

Jeder Proband machte mehrere Laufbandtests, bei denen seine jeweilige Laufökonomie, also wie viel Energie er bei einer Standardgeschwindigkeit verbrauchte, festgehalten wurde, und außerdem eine Reihe von 3000-Meter-Zeitläufen an verschiedenen Tagen.

Welchen Einfluss hat das Gewicht eines Laufschuhs auf die Leistung?

Wie erwartet, zeigten die Ergebnisse, dass sich die Laufökonomie um 1,11 Prozent pro 100 Gramm, die dem Schuh hinzugefügt wurden, verschlechterte. Die Zeiten der 3000-Meter-Läufe erhöhten sich indessen um 0,78 Prozent pro 100 Gramm.

Das unterstützt die Aussage, dass sich Veränderungen in der Laufökonomie auch in einer veränderten Laufzeit widerspiegeln. Trotzdem: 1,11 und 0,78 Prozent sind nicht dasselbe.

Ein möglicher Grund dafür ist, dass die Laufökonomie bei einer Geschwindigkeit von 7:40 Minuten pro Meile gemessen wurde, während das durchschnittliche 3000-Meter-Lauftempo 5:36 pro Meile betrug. Ist es möglich, dass der Effekt des zusätzlichen Gewichts in den Schuhen, davon abhängt wie schnell man läuft?

Mit einem Wort: Ja. Eine frühere Studie, die die Auswirkungen des Schuhgewichts auf die Laufökonomie untersuchte, betrachtete dabei unterschiedliche Geschwindigkeiten und erkannte, dass bei höherem Lauftempo die Auswirkungen geringer waren.

Um genau zu sein, bei 5:30 pro Meile konnten sie eine Veränderung von 0,8 Prozent pro 100 Gramm feststellen ? ?auffällig nah?, meinen die Forscher, an der 0,78 prozentigen Veränderung der 3000-Meter-Laufzeiten in der neuen Studie.

Ein faszinierender Gedanke: Die Forscher betonten, dass der aktuelle Marathonweltrekord von 2:02:57 Stunden in Schuhen gelaufen wurde, die 230 Gramm wiegen. Zieht man 100 Gramm ab, würde man theoretisch (bei 0,78 Prozent pro 100 Gramm) 57,5 Sekunden gewinnen. Zieht man das gesamte Gewicht der Schuhe ab, so würde man 2:12 gewinnen.

Dabei gibt es jedoch ein Problem. Ohne Schuhe, verliert man die Polsterung, welche nach Krams vorheriger Forschung, die Laufökonomie um 3 bis 4 Prozent verbessern kann. Tatsächlich, wie eine weitere Studie Krams zeigt, kann man dieselben Vorteile ohne Schuhe haben, wenn man den Boden mit 10 Millimeter dickem Schaum polstert.

Ob die 2-Stunden-Marathon-Marke in Zukunft auf einer komplett mit EVA-Schaum bedeckten Strecke und von einem Läufer ohne Schuhe gebrochen wird??

Wie auch immer: In leichten Schuhen läufst du schneller. Denke immer daran, dass du mit den leichten Wettkampfschuhen die letzten Sekunden zur Traumgrenze eliminieren kannst. Andersrum: Wer in dicken Botten läuft, hat selber Schuld.

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