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Laktat bremst uns nicht!

Autor: Peter Greif
Newsletterdatum: 26.08.2014

Die Konzentrationen variierten von einem „normalen" Niveau, das immer im Körper zu finden ist, bis hin zu höheren Dosen, die während moderatem, hartem und extremen Training im Körper zirkulieren. Das führte in einen PH-Bereich von 7,4 bis 6,6 und einen Laktatbereich von 1 Millimol bis 50 Millimol.

Alle 30 Sekunden wurden die Freiwilligen gebeten, ihre Wahrnehmungen mitzuteilen. Die Antworten wurden in zwei grundlegende Kategorien unterteilt: Schmerzempfindung (wie „Schmerz“ und „heiß“) und keine Schmerzempfindung (wie „Druck“ und „müde“). Abbildung 1 zeigt den Anteil der Empfindung von keinem Schmerz (in der Regel ermüdungsbedingt) gegenüber dem Anteil von Schmerzempfindungen im Zusammenhang mit der Zunahme des Stoffwechselniveaus.

Es zeigt sich eine ziemlich deutliche Beziehung. Die Autoren meinen (gestützt auf frühere Tierstudien), dass es eine Gruppe von Rezeptoren in den Muskeln gibt, die Müdigkeitsempfindungen hervorruft und die durch die niedrigen Metabolitenkonzentrationen, wie während einer moderaten Trainingseinheit aktiviert wird, und eine andere Rezeptorengruppe, die Schmerzempfindungen hervorruft und die durch höhere Metabolitenkonzentrationen, wie sie während kräftigeren und härteren Belastungen (wie einem 800-Meter-Rennen!) auftreten, aktiviert wird.

Schmerzempfindung vs keine Schmerzempfindung

Foto: runnersworld.com Abbildung: Je stärker der Stoffwechselumsatz, desto stärker die Schmerzempfindung.

Um das Bild abzurunden, zeigt eine ähnliche Graphik in Abbildung 2, die Intensität der Nichtschmerz- und Schmerzempfindungen während unterschiedlicher Metabolitenkonzentrationen, wieder eine ziemlich deutliche Beziehung:

Je stärker der Stoffwechselumsatz, desto stärker die Empfindung.

Nun die Überraschung: Die Graphiken wurden durch die gleichzeitige Injektion aller drei Metaboliten erzeugt. Aber was geschieht, wenn man sie einzeln spritzt? Kurzum: nichts. Es fanden sich im Wesentlichen überhaupt keine Antworten hinsichtlich der einzelnen Metaboliten. Also reagieren die Rezeptoren anscheinend nur auf die synergistische Kombination von allen dreien. Auch dies stimmt mit früheren Tierversuchen überein.

Bedeutet dies, dass wir das Rätsel der Muskelerschöpfung gelöst haben?

Nun, das hängt wohl davon ab, was man genau unter Erschöpfung versteht. Sicherlich bieten die Daten einige Hinweise darauf, was das Unbehagen während eines 800-Meter-Rennens verursacht.

Doch eigentlich ist doch die interessantere Frage, ob es die Metaboliten (Stoffwechselprodukte) sind, die uns zwingen, das Tempo zu verlangsamen. Samuele Marcora, der Forscher, der mich auf diese Studie hingewiesen hat, würde dies verneinen. Er behauptet, dass „Anstrengung“ und „Schmerz“ zwei unterschiedliche Empfindungen sind – so dass man während eines 800-Meter-Rennens Tempo raus nimmt, weil es zu schwer fällt, die Muskeln schneller zu bewegen und nicht weil es weh tut.

Ich finde diese Argumentation ziemlich überzeugend, aber ich denke auch, dass – da auch Studien dies belegen - es sehr schwierig ist, eine klare Linie zwischen Erschöpfung und Unbehagen zu ziehen.

Du wirst dich sicher fragen, was du als Halb- oder Marathonläufer mit diesem Wissen anfangen sollst. Ich denke, man kann aus diesen Argumentationen heraus ziemlich viel in die Laufpraxis umsetzen.

Erst einmal muss dir klar sein, dass der Schmerz in einer Hochbelastung, wie sie auch bei den Langstrecken vorkommt, kein Signal des Laktats ist und es ist auch nicht das Zeichen zum Abbruch einer Leistung. Diesen Schmerz kannst du durch deine Psyche besiegeln.

Und auch das Müdigkeitsempfinden ist nicht das Ende der Leiter. Du darfst auf keinen Fall in eine Bewegungsstörung fallen, wie Verkrampfen oder auch in den „Rücken fallen“. Schön oder besser mitleidend zu sehen, wie unsere junge Athletin Maren Kock bei der Europameisterschaft in Luzern über die 5000 Meter am Ende völlig verkrampfte und nach hinten durch gereicht wurde. Also: „Immer schön locker bleiben wie es im Volksmund so heißt.

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