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Ich bin so erschöpft!

Autor: Peter Greif
Newsletterdatum: 11.08.2015

Die Generation in der ich geboren bin, wusste auch genau, dass man nur mit harter Arbeit durchkommt. Als zehnjähriger Junge musste ich schon unser gesamtes Holz hacken, denn es gab keine Zentralheizung, sondern nur Öfen in den Wohnungen.

Und der Garten musste umgegraben und geharkt, das Obst gepflückt und die Kartoffel geerntet werden und alles wurde mit einem Handwagen transportiert. Gespielt wurde draußen auf der Straße, ob es nun Völkerball, Suchen. A-Latschen oder Murmeln waren, alles war in körperlicher Bewegung. Diese Art der Bewegung war unsere Laufschule und das Athletiktraining.

Als dann mit fortschreitenden Dekaden die Belastung bei der Arbeit nicht mehr ganz so hart war, fing die deutsche Bevölkerung an zu laufen. Und wo gelaufen wird, da wollen sich die Menschen in ihrer Leistung auch messen. Daraus entwickelten sich dann die jetzt immer noch heiß geliebten Volksläufe. Man brauchte nicht in einem Verein zu sein und ein Sportplatz war eigentlich auch nicht nötig.

Ich kann dir nur berichten, wie es damals anfing mit dem Dauerlaufen. Die Jungs - Frauen liefen damals fast niemals - legten los, dass die Fetzen flogen.

Völlig ohne Trainingskonzepte, es wurde einfach nur gelaufen, manche kurz, manche lang, aber fast immer schnell. Einige auch ganz langsam. Es herrschte praktisch Krieg zwischen den Trainingsideen. Auf der einen Seite die van Aaken-Jünger und auf der anderen, die Läufer aus der klassischen Leichtathletik, die ganz stark von der Mittelstrecke geprägt waren.

Einmalig war es, dass sich nun auch ältere Läufer leistungssportlich betätigten. In jeder Altersklasse war die Hölle los. Hattest du den einen Jahrgangs-Konkurrenten in einem Wettkampf geschlagen, haute dir ein anderer schon wieder eines über den Schädel. Das war ein gnadenloser Kampf. Wenn du dir einmal ein paar Wochen Ruhe erlaubtest, dann wurdest du von hinten unmittelbar überrollt.

Und es wurde experimentiert, da es kaum oder gar keine Literatur zu dieser Sache gab, musste jeder versuchen seinen eigenen Weg zu finden. Trotzdem war es eine Zeit, in der Marathonzeiten über drei Stunden unbekannt waren. Es sei, jemand verletzte sich und joggte nur noch leicht in das Ziel.

Solche Verhaltensweisen waren sicher auch von den vorhergehenden Kriegen beeinflusst, in der das Nichtaufgeben von den Nationalsozialisten geprägt wurde. Unterschwellig wurde der Kampf bis zum Tod gefordert.

Wenn wir uns über solche Dingen beklagten, dann erzählten uns unsere Väter und Großväter, was sie alles aushalten mussten in Stalingrad oder auch in der Normandie: „Mir sind in Russland die Zehen abgefroren und du gibst den Marathon auf, wegen einem bisschen Blut im Schuh.“ So verhielten sich natürlich nicht alle, es gab durchaus eine große Anzahl von Warnern, speziell vor der Marathonbelastung.

Die letzten Absätze sind keine Satire, sondern sie wurden wirklich mündlich dargestellt. Diesen Quatsch wollten wir natürlich nicht hören. Vielleicht war das der Punkt, als wir alle anfingen, die Härte aus dem Training und Wettkampf heraus zu nehmen.

Also, du kannst die jetzige Generation der Großväter ruhig einmal beschimpfen, denn wir waren es, die mit der Weicheierei angefangen haben.

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