Laufen ist aus gutem Grund eine der beliebtesten Sportarten überhaupt: Es ist extrem zeiteffizient, du kannst es praktisch überall und zu jeder Zeit tun, und du brauchst kaum Equipment – ein gutes Paar Laufschuhe reicht schon völlig aus!
Während Profis und Elite-Athleten trainieren, um Rennen zu gewinnen, zeigen Studien, dass wir Hobbyläuferinnen und -läufer primär für unsere Gesundheit, Fitness und den puren Spaß an der Bewegung laufen. Aber mal ehrlich: Das bedeutet keineswegs, dass uns unsere Leistung egal ist! Fast alle von uns möchten ihre Ausdauer verbessern, schneller werden, sich wendiger fühlen und ihre allgemeine Leistungsfähigkeit steigern.
Deshalb suchen viele Läufer nach gezielten Ergänzungen zum reinen Kilometersammeln. Besonders beliebt: Intervalltraining (HIIT), Krafttraining und Plyometrie. Aber was bringt eigentlich mehr? Und wo liegen die Unterschied?
Mehr als nur Laufen: Wenn das Plateau kommt
Als Anfänger ist die Welt noch einfach: Du läufst jede Woche ein Stückchen weiter oder ein bisschen schneller, und deine Fitness verbessert sich wie von selbst. Doch irgendwann stagniert der Fortschritt – das berühmte Leistungsplateau ist erreicht.
Um diesen Punkt zu überwinden, greifen erfahrene Läufer tief in die Trainings-Trickkiste:
- HIIT (High-Intensity Interval Training): Kurze, extrem intensive Belastungsphasen im Wechsel mit Erholungsphasen. Das boostet deine maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) und verschiebt deine Laktatschwelle nach oben.
- Krafttraining & Plyometrie: Beide Methoden verbessern vor allem deine Laufökonomie. Die Laufökonomie gibt an, wie effizient deine Muskeln Sauerstoff bei einem submaximalen Tempo nutzen. Eine bessere Laufökonomie ist der Schlüssel zu überragenden Ausdauerleistungen!
Was ist Plyometrie überhaupt?
Plyometrie nutzt schnelle exzentrisch-konzentrische Muskelbewegungen – den sogenannten Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus (DVZ). Ein Beispiel sind explosive Sprungübungen. Dieses System ist extrem effektiv, um deine neuromuskuläre Ansteuerung zu maximieren sowie Schnelligkeit und Explosivkraft aufzubauen. Studien belegen: "Wer ein klassisches Krafttraining durch Plyometrie ergänzt, verbessert seine Laufökonomie noch einmal deutlich!"
Exkurs: Plyometrie vs. klassisches Krafttraining
Wenn wir schon Zeit für Zusatztraining opfern, wollen wir natürlich den maximalen Ertrag ("Best Bang for the Buck"). Forscher haben daher Plyometrie intensiv mit klassischem Krafttraining verglichen.
Erkenntnisse aus früheren Studien (z. B. an Ballsportlern) zeigen:
- Plyometrie verbessert Sprintvermögen, Wendigkeit, Richtungswechsel und Beinkraft enorm.
- Der Haken: Wer Plyometrie nicht gewohnt ist, leidet durch die vielen exzentrischen Muskelbelastungen oft unter extremem Muskelkater (DOMS – Delayed Onset Muscle Soreness) und erhöhtem Verletzungsrisiko bei Vorschädigungen.
- Klassisches Krafttraining: (Fokus auf Oberschenkel durch Kniebeugen, Ausfallschritte, Beinpresse etc.) ist eine hervorragende Alternative. Es liefert oft ähnlich gute Ergebnisse in Sachen Kraft, Sprint und Sprungkraft, ist aber für Einsteiger im Athletikbereich deutlich bekömmlicher und verursacht weniger Muskelkater.
Die große Frage: HIIT vs. Plyometrie?
Während der Vergleich zwischen Krafttraining und Plyometrie gut erforscht ist, gab es bisher kaum Studien, die HIIT direkt mit Plyometrie bei Hobbyläufern verglichen haben.
Dabei ist dieser Vergleich hochspannend: Da die Arbeitsintervalle beim HIIT extrem intensiv sind, ist die muskuläre Belastung viel höher als beim normalen Dauerlauf. Diese wiederholte Stoßbelastung ähnelt theoretisch den Mustern beim Plyometrietraining. Können wir uns als Hobbyläufer also durch HIIT die gleichen Vorteile sichern wie durch Sprungtraining? Eine ganz frische Studie hat genau das untersucht!
Die neue Studie: Der direkte Vergleich
Veröffentlicht im Fachjournal BMC Sports Science, Medicine and Rehabilitation, untersuchte diese Studie die Auswirkungen von HIIT und Plyometrie auf Agilität, Beinkraft, Sprinttempo und die funktionelle Performance von Hobbyläufern.
Das Studiendesign:
- Dauer: 6 Wochen (randomisierte, kontrollierte Studie).
- Teilnehmer: 60 unverletzte Hobbyläuferinnen und -läufer (18 bis 30 Jahre).
- Aufteilung in 3 Gruppen à 20 Personen:
- HIIT-Gruppe: 3-mal pro Woche 30 Minuten zirkelbasiertes HIIT-Training.
- Plyometrie-Gruppe: 3-mal pro Woche 45 Minuten explosives Sprungtraining.
- Kontrollgruppe: 3-mal pro Woche 30 Minuten leichtes Bewegungsprogramm (niedrige Intensität) mit demselben Auf- und Abwärmen.
Um sicherzustellen, dass sich alle Teilnehmer vergleichbar anstrengten, wurde die gefühlte Anstrengung über die modifizierte Borg-Skala (Skala von 0–10) gesteuert.
So wurde in der Studie trainiert:
- HIIT-Gruppe (30 Min.): 10 Min. Aufwärmen, 15 Min. HIIT, 5 Min. Cool-down. Übungen: explosive Liegestütze, verschiedene Sprünge, Kicks, Punching-Techniken, Sit-ups, Crunches und Medizinball-Übungen. Die Belastungsintervalle starteten bei 10–15 Sekunden (bei gleicher Pausenzeit) und steigerten sich im Verlauf der Wochen auf 25 Sekunden Belastung / 25 Sekunden Pause. Intensität: Hoch (Borg-Wert 7–9).
- Plyometrie-Gruppe (45 Min.): Auf- und Abwärmen wie bei HIIT, dazu 30 Min. spezifische Sprungdrills (Zickzack-Sprünge, Hürdensprünge, Squat Jumps, seitliche Hütchensprünge). Sätze: 2 x 10 Wiederholungen pro Übung, gesteigert auf 2 x 12 und später bis zu 3 x 10 Wiederholungen. Pausen: 10–15 Sekunden zwischen den Sätzen, 1 Minute zwischen den Übungen.
Die Forscher testeten die Läufer vor Beginn, nach 3 Wochen und nach Ablauf der 6 Wochen in vier Bereichen:
- Agilität (Wendigkeit): Gemessen mit dem T-Test (Vorwärtssprint, Seitwärtsshuffle nach links und rechts, Rückwärtslaufen zur Startlinie in T-Form).
- Beinkraft / Explosivkraft: Gemessen über den Vertical Jump Test (Höhendifferenz zwischen Reichhöhe im Stand und Sprunghöhe).
- Sprintgeschwindigkeit: 50-Meter-Sprint aus dem Hochstart.
- Funktionelle Performance (Balance & Koordination): Gemessen mit dem 8er-Hüpf-Test – auf einem Bein in einer 8er-Form über 5 Meter hüpfen.
Die Ergebnisse waren eindeutig: Beide Trainingsgruppen machten über die 6 Wochen massive und nahezu identische Fortschritte! (Die Kontrollgruppe verbesserte sich – wenig überraschend – gar nicht).
- Agilität (T-Test):
- HIIT-Gruppe: Verbesserung von 15,43 s auf 12,71 s
- Plyometrie-Gruppe: Verbesserung von 15,95 s auf 12,60 s
- Sprinttempo (50 Meter):
- HIIT-Gruppe: Verbesserung von 5,19 s auf 4,01 s
- Plyometrie-Gruppe: Verbesserung von 5,27 s auf 3,90 s
- Koordination & Balance (8er-Hüpfen):
- HIIT-Gruppe: Verbesserung von 7,82 s auf 5,91 s
- Plyometrie-Gruppe: Verbesserung von 7,91 s auf 5,94 s
- Sprungkraft: Beide Gruppen erzielten gleichwertige, signifikante Zuwächse.

Was bedeutet das für dein Lauftraining?
Wie können zwei so unterschiedliche Trainingsformen fast identische Leistungssteigerungen hervorrufen?
- HIIT wirkt vor allem über die Steigerung der anaeroben Kapazität, eine verbesserte oxidative Kapazität der Muskeln und eine optimierte Rekrutierung der schnellen Muskelfasern (Fast-Twitch-Fasern).
- Plyometrie verbessert vor allem die neuronale Ansteuerung (das Gehirn lernt, mehr Muskelfasern gleichzeitig und synchron zu aktivieren).
Egal über welchen physiologischen Weg: Beide Methoden bringen dir als Hobbyläufer einen echten Performance-Push!
Welcher Trainingsform solltest du den Vorzug geben?
- Entscheide dich für HIIT, wenn...
- du extrem wenig Zeit hast (30 Minuten HIIT brachten in der Studie dieselben Erfolge wie 45 Minuten Plyometrie!).
- du dein Risiko für heftigen Muskelkater gering halten möchtest.
- du neben deiner Laufkraft auch deine allgemeine Athletik und dein Herz-Kreislauf-System pushen willst.
- Entscheide dich für Plyometrie, wenn...
- du gezielt für lange Distanzen (z. B. Halbmarathon oder Marathon) trainierst. Plyometrie verbessert erwiesenermaßen die Laufökonomie extrem stark. Wer pro Kilometer weniger Sauerstoff verbraucht, ermüdet später und läuft schneller ins Ziel!
Der beste Weg: Kombiniere einfach das Beste aus beiden Welten oder wechsle phasenweise ab! Am Ende gilt die wichtigste Regel im Laufsport: Mach das, was dir am meisten Spaß macht. Denn nur ein Training, das du regelmäßig durchziehst, bringt dich langfristig an deine Ziele.
Foto: KI-generiert
*Quelle und Verweise: sportsperformancebulletin.com
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