Unser Gehirn ist ein Hochleistungsorgan. Jede Sekunde tauschen Milliarden von Nervenzellen Informationen aus steuern Gedanken, Emotionen, Bewegung und vegetative Funktionen. Damit dieses komplexe System stabil funktioniert, braucht es vor allem eines: Balance. Eines der wichtigsten inneren Gleichgewichte im Gehirn ist das Zusammenspiel der beiden Neurotransmitter Glutamat und GABA.
Glutamat ist der wichtigste erregende Neurotransmitter des zentralen Nervensystems. Rund 80–90 % aller synaptischen Erregungsübertragungen im Gehirn laufen über Glutamat.
Glutamat ist entscheidend für:
Ohne Glutamat wäre unser Gehirn träge und kaum leistungsfähig. Doch wie bei vielen biologischen Systemen gilt: Zu viel des Guten ist problematisch.
GABA (Gamma-Aminobuttersäure) ist der wichtigste hemmende Neurotransmitter. Seine Aufgabe ist es, neuronale Aktivität zu dämpfen und zu regulieren.
GABA sorgt für:
Man kann sich GABA als die natürliche Bremse vorstellen, die verhindert, dass das Gehirn dauerhaft im „Alarmmodus“ läuft. Ich nenne GABA auch das „natürliche Valium“.
Viele moderne Medikamente (z. B. Benzodiazepine, Antiepileptika, bestimmte Antidepressiva) greifen direkt oder indirekt in dieses System ein; ein Hinweis auf seine zentrale Bedeutung.
Gesundheitlich entscheidend ist nicht die absolute Menge eines Neurotransmitters, sondern das Verhältnis von Erregung (Glutamat) zu Hemmung (GABA). Nur wenn beide Systeme gut aufeinander abgestimmt sind, kann das Gehirn flexibel reagieren: aktiv, wenn Leistung gefragt ist, und ruhig, wenn Erholung nötig ist. Denn manchmal ist die wichtigste Fähigkeit unseres Gehirns nicht das Denken, sondern das Abschalten.
Ein Überwiegen von Glutamat oder eine verminderte GABA-Wirkung können zu einer chronischen Übererregung des Nervensystems führen. Die Folgen sind innere Unruhe, Ängste, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Stressintoleranz und Muskelverspannungen. Umgekehrt kann eine zu starke Hemmung von Glutamat zu Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Konzentrationsstörungen führen. Bei Kindern und Erwachsenen, die mit ADHS diagnostiziert wurden, messe ich oft einen Mangel an Glutamat (und nicht einen Mangel an Dopamin oder Noradrenalin, wie die Diagnose vermuten lässt).
Das GABA-Glutamat-System reagiert empfindlich auf äußere und innere Einflüsse. Häufige Störfaktoren sind:
Besonders bei langanhaltendem Stress kann das Gehirn in einen Zustand geraten, in dem die „Bremse“ nicht mehr ausreichend greift.
Ein leistungsfähiges Gehirn ist nicht permanent „aufgedreht“, sondern regulationsfähig. Das fein abgestimmte Zusammenspiel von Glutamat und GABA ermöglicht genau das: Konzentration ohne Überforderung, Wachheit ohne Dauerstress, Ruhe ohne Antriebslosigkeit.Wer seine mentale Gesundheit langfristig erhalten möchte, sollte nicht nur auf „mehr Leistung“, sondern auf neuronale Balance achten, durch ausreichend Schlaf, Stressreduktion, eine sehr gute Nährstoffversorgung (in diesem Fall sind besonders Zink, Vitamin B6, Magnesium und L-Glutamin von zentraler Bedeutung) und Meditation.
Es gibt die Möglichkeit, beide Neurotransmitter über einen einfachen Urintest zu bestimmen und bei einer gestörten Balance unterstützend einzugreifen.
Quellen:
Andersen JV, Schousboe A, Verkhratsky A, Waagepetersen HS.
The glutamate/GABA-glutamine cycle: insights, updates, and advances. J Neurochem. 2025;164(2):123–145.
doi:10.1111/jnc.70029
The interplay between GABA and glutamate in systems physiology and pathophysiology. Front Synaptic Neurosci. 2025;17:1656759.
doi:10.3389/fnsyn.2025.1656759
Über die Autorin:
"Kyra Kauffmann, Jahrgang 1971, Mutter zweier kleiner Söhne, Volkswirtin, seit 20 Jahren niedergelassene Heilpraktikerin, Buchautorin, Dozentin, Journalistin und seit 3 Jahren begeisterte Medizinstudentin.
Zur Medizin kam ich durch meine eigene schwere Erkrankung mit Anfang 30, bei der mir seinerzeit kein Arzt wirklich helfen konnte. („Ihre Werte sind alle super – es ist alles rein psychisch!“). Hilfe bekam ich von Heilpraktikern, die zunächst einmal eine wirklich gründliche Labordiagnostik durchgeführt haben, ganz nach dem Vorbild von Dr. Ulrich Strunz. Es war eine neue Welt, die sich mir eröffnete und die Erkenntnisse, haben mich sofort fasziniert (ohnehin bin ich ein Zahlen-Daten-Fakten-Fan und habe nicht umsonst das Studium der VWL gewählt). Die Begeisterung war so groß, dass ich meinen alten Beruf an den Nagel hängte und Heilpraktikerin wurde. Meine Praxis führe ich seit 20 Jahren mit großer Begeisterung und bin – natürlich - auf Labordiagnostik spezialisiert und kann so oft vielen Symptomen auf den Grund gehen. In 2 Jahren hoffentlich dann auch als Ärztin.

In den News vom 14. November 2025 hatten wir uns mit der Schädlichkeit von zu viel Calcium in den Zellen (= intrazelluläre Hyperkalzämie) beschäftigt.
Auch ein Magnesium- oder Bormangel kann indirekt die Ursache für einen Calziumüberschuss sein. Magnesium ist ein essenzieller Cofaktor für viele Enzyme und ionenregulierende Mechanismen.
Ein Magnesiummangel kann auf verschiedene Weise zu einer intrazellulären Hyperkalzämie führen:
Magnesium gibt es in verschiedenen chemischen Verbindungen und Menschen nehmen diese unterschiedlich gut auf.
Praktisch relevant ist deshalb nicht nur wieviel Magnesium Sie täglich einnehmen, sondern in welcher Form Sie es am besten aufnehmen und vertragen (Achtung: Durchfall!). Bitte messen Sie doch einfach einmal nach, wieviel bei Ihnen ankommt (Ziel: ca. 1 mmol/l im Serum oder 37 mg/l im Vollblut).
Kommen wir nun zu Bor. Ich messe es regelmäßig im Serum (!) meiner Patienten, und die Spiegel sind meistens sehr niedrig.
Sie als News-Leser kennen diesen sonst wenig beachteten Mikronährstoff natürlich schon länger: https://www.strunz.com/news/bor-und-sex.html
Wir finden Bor im Trinkwasser, in Avocados, Trockenpflaumen oder in (Rot-)wein. Tatsächlich haben Weintrinker bei meinen Messungen den höchsten Borspiegel.
Ich sehe Sie gerade lächeln! Aber nein, ich empfehle Ihnen ausdrücklich KEIN „therapeutisches Weintrinken“, um Ihren Borspiegel zu verbessern.
Das Spurenelement Bor ist am Mineralstoffwechsel des Körpers intensiv beteiligt. Ein Bormangel kann die Calziumhomöostase auf unterschiedliche Weise stören:
Bor ist aber vor allem ein Mineralstoff, der die Umwandlung des Speichervitamins 25‑Hydroxy‑Vitamin D (Calcidiol) in das superaktive 1,25‑OH‑Vitamin D (Calcitriol) mit beeinflusst – und damit eine zentrale Stellschraube in einem Netzwerk aus Calcium, Magnesium, PTH und Vitamin‑D‑Signalwegen darstellt.
Bor ist ein klassisches Beispiel dafür, wie ein kleines Spurenelement große Regelkreise beeinflussen kann.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ist der Auffassung, dass Erwachsene aus allen Quellen zusammen nicht mehr als 10 mg Bor pro Tag aufnehmen sollten (Upper Intake Level).
Fun fact
Es gibt auch eine kulinarische Möglichkeit sich mit Bor zu versorgen: der tägliche Konsum von echtem Kaviar!
Denn zwei Bor-Verbindungen Borsäure (E 284) und Natriumtetraborat (E 285) sind als Konservierungsmittel – ausschließlich für echten Kaviar – zugelassen.Aufgrund des hohen Preises ist eine Bor-Intoxikation damit ziemlich sicher ausgeschlossen.
Über die Autorin:
"Die Biologin Ursula Bien, Jahrgang 1963, ging nach ihrer Zeit am Institut für Biotechnologie des Forschungszentrums Jülich in die Pharmaindustrie und war zuletzt 15 Jahre lang Geschäftsführerin eines kleinen forschenden Pharmaunternehmens. Ihr Arbeitsschwerpunkt lag dabei immer im Bereich der Hämatologie und Onkologie (Blutkrebs, Stammzelltransplantation, Tumore). Motiviert durch Fragen krebskranker Patienten, begann sie sich mit alternativen und komplementären Therapieverfahren zu beschäftigen. Sie absolvierte eine Zusatzausbildung als Heilpraktikerin und bildete sich über viele Jahre intensiv zu den Themen orthomolekulare Medizin und Ernährungsmedizin weiter. Nicht zuletzt durch den wissenschaftlichen Austausch mit Dr. med. Ulrich Strunz fand sie zum Thema Epigenetik und Bluttuning. Mittlerweile gibt sie die „Strunzsche Philosophie“ in eigener Praxis voller Überzeugung auch an ihre Patienten weiter.
Das sagt sie selbst zu ihrer Tätigkeit:
„So sinnvoll die Schulmedizin in vielen Bereichen auch ist, darf es bei chronischen Erkrankungen nicht das Ziel sein, Symptome zu unterdrücken. Es gilt, die Ursachen einer Erkrankung zu finden und abzustellen. Was durch Ernährungsumstellung, gezielte Zufuhr fehlender Mikronährstoffe und Bewegung erreicht werden kann, ist immer wieder verblüffend. Ich bin Dr. Strunz für das, was ich von ihm lernen durfte unendlich dankbar und freue mich für jeden Menschen, der am eigenen Leibe erfahren darf, dass manche Krankheiten nicht nur Schicksal sind.“

Mindestens jeder zehnte Mensch muss laut Schätzungen im Laufe seines Lebens damit rechnen, ein Nierenstein-Leiden zu entwickeln. 80 Prozent dieser schmerzhaften Kristalle bestehen aus Kalzium-Verbindungen; 80 Prozent davon aus Kalzium-Oxalat, einer Verbindung aus dem Mineral und Oxalat. Das ist das Salz der Oxalsäure, die in Pflanzen und vielen Lebensmitteln (u.a. Spinat, Mangold, Nüsse) vorkommt. Die Behandlung ist nicht schmerzlos, die Rückfallrate hoch. Wäre es da nicht schön, wenn es dagegen eine nebenwirkungsarme Behandlung gäbe?
Die scheint es (bald) zu geben. Denn seit etwa 20 Jahren ist bekannt, dass ein Bakterium aus der Darmflora mit dem Namen Oxalobacter formigenes in der Lage ist, die potentiell riskanten Oxalate im Darm abzubauen und zu „verspeisen“– diese sind seine Leibspeise und Haupt-Energiequelle. So verringert sich die Menge an Oxalat, die in den Körper aufgenommen und über den Urin ausgeschieden wird. Was wiederum die Gefahr senkt, dass sich durch eine Verbindung mit Kalzium in der Niere die unlöslichen Kristalle bilden können. Eine amerikanische Arbeitsgruppe aus Medizinern der University of Birmingham in Alabama sowie der Cleveland Clinic in Cleveland (Ohio) prüften jetzt in einer klinischen Studie, ob der Verzehr lebender Oxalobacter-Bakterien – quasi als Probiotikum – zu einer verringerten Aufnahme von Oxalat führt und ob sich dieser wichtige Darmhelfer überhaupt im Darm ansiedeln kann. Die 22 Probanden hatten niemals Nierensteine gehabt, aber ihrer Darmflora mangelte es an den Oxalat-futternden Bakterien.
Die Studienteilnehmer erhielten eine Diät mit genau definiertem Kalzium-und Oxalat-Gehalt. Inklusive waren zehn Milliarden quicklebendige Oxalobacter formigenes-Bakterien, die in einem Spinat-Pesto auf einem Truthahn-Sandwich steckten. Der Oxalatgehalt in Stuhl und Urin wurde im 24-Stunden-Rhythmus untersucht. Ergebnis: Schon nach einer einzigen Dosis mit Oxalobacter-Mikroben gelang deren Ansiedelung im Stuhl der 22 Probanden; bei zehn von ihnen fanden sich die nützlichen Darmbakterien sogar noch ein Jahr später. Bei elf verschwanden die Oxalat-essenden Mikroben wieder – offenbar nach Antibiotika-Einnahme. Der Oxalatgehalt im Stuhl verringerte sich um 54, der im Urin um 14 Prozent.
Zwar sind noch weitere Darmbakterien bekannt, die zum Abbau von Oxalat beitragen können – der effektivste scheint allerdings Oxalobacter formigenes zu sein. Breitband-Antibiotika können die hilfreichen Darm-Besiedler eliminieren – auch völliger Gemüseverzicht kann den Stamm dezimieren. Weshalb Forscher Menschen mit Nierenstein-Neigung empfehlen, in geringerem Maße oxalathaltige Lebensmittel weiterhin zu verzehren – dafür aber mehr Kalzium zu essen und Wasser zu trinken.
P.S.: Eine multinationale Forschergruppe verglich in einer in „Nature Scientific Reports“ veröffentlichten Arbeit das Vorkommen von Oxalobacter formigenes“ als Bestandteil der Darmflora bei Amerikanern mit der Prävalenz des Keims bei abgeschiedenen lebenden Stämmen in Venezuela und Tansania. Ergebnis: Mit 60 bis 80 Prozent war der Keim bei den letzteren Gruppen weitaus häufiger vertreten als bei Amerikanern, vor allem bei den Kindern. Der Preis des westlichen Lebensstils und seiner Medikamente?
PS: Es gibt seit vielen Jahren ein in den USA und der EU als „Orphan Drug“ zugelassenes Arzneimittel, das gefriergetrocknete Oxalobacter formigenes-Bakterien enthält. Eine Phase III- Studie für die Anwendung bei Primärer Hyperoxalurie (seltene Erbkrankheit mit erhöhter Oxalatbildung in der Leber) wurde allerdings 2021 beendet, da sie keine signifikante Verringerung von Oxalatspiegeln im Plasma errreichte. Andere Forscher bleiben trotzdem am Thema. Vergessen Sie nicht: Sie haben esselbst in der Hand (und auf dem Teller): Wer Oxalobacter eine Heimat im Mikrobiom bieten will, sollte niemals ganz auf oxalathaltige Lebensmittel verzichten.
Quellen:
University of Alabama, Birmingham, + Cleveland Clinic
Fargue S, Suryavanshi M, Wood KD, Crivelli JJ, Oster RA, Assimos DG, Miller A, Knight J. Inducing Oxalobacter formigenes Colonization Reduces Urinary Oxalate in Healthy Adults. Kidney Int Rep. 2025 Feb 13;10(5):1518-1528. doi: 10.1016/j.ekir.2025.02.004. PMID: 40485679; PMCID: PMC12142626.
Über die Autorin:
Marion Meiners ist ausgebildete Verlagskauffrau und Journalistin und arbeitete viele Jahre für Zeitschriften als Redakteurin für Gesundheit und Ernährung. Zusammen mit Labor-Professor Hans-Peter Seelig schrieb sie das Buch „Laborwerte klar und verständlich“.
Ihre Begeisterung für Medizinthemen entdeckte sie in frühen Berufsjahren, nachdem ihr eine Verwandte einen Pschyrembel schenkte. Seither heißt ihr digitales „Wohnzimmer“ PubMed und die Faszination für die Ursachen-Fahndung bei Krankheiten sowie die Effekte von Ernährung und Lebensstil auf die Gesundheit hält an.
Das sagt sie über ihre Tätigkeit:
„Alles hängt mit allem zusammen im Körper. Das ist leider in unserer „Schubladen“-Medizin noch nicht so ganz angekommen. Ein Nährstoffmangel kann etwa ebenso fatale Auswirkung auf alle Organsysteme haben wie z.B. ein kranker Zahn. Umgekehrt kann schon eine veränderte Zusammenstellung der Makro-oder Mikronährstoffe in der Ernährung gigantische therapeutische Effekte entfalten. Welche, und wie gut belegt diese sind – darüber möchte ich informieren.“

Ich bin doch manchmal immer wieder erstaunt darüber, was man so an Informationen im Leben zugespielt bekommt. Wir haben schon oft über Vitamin D gesprochen und sicherlich werden sich die meisten Menschen nicht an die angeratenen 600 IE am Tag im Winter halten, sondern einfach mehr nehmen. Trotzdem möchte ich Ihnen nun auch das „schlechte Gewissen“ nehmen, dass man sich mal wieder nicht an die Regeln der „Experten“ hält.
Was haben die Wissenschaftler gemacht? Sie haben in Summe 32 Studien analysiert hinsichtlich der Menge an Vitamin D, die man einnehmen muss, um einen Spiegel von 50 nmol/L zu halten. Sie wollten dabei folgenden Wert ermitteln, der sicher bei 97,5 Prozent aller Teilnehmer garantiert, dass sie einen Spiegel von diesen 50 nmol/L über den Winter halten. Was sie jedoch laut Paul Veugelers berechnet haben, ist etwas anderes: Sie ermittelten, dass die Wahrscheinlichkeit bei 97,5 Prozent liegt, dass die Teilnehmer einen vorhergesagten Wert über 50 nmol/L haben. Klingt ähnlich, ist es aber nicht. Denn das Team um Paul Veugelers hat die Daten jener 32 Studien nochmal ausgewertet, unter dem Gesichtspunkt, dass 97,5 Prozent der Teilnehmer einen Wert von 50 nmol/L und höher haben und kommt zu folgendem Ergebnis:

Man erkennt sehr schnell, das ganz offensichtlich niemals 97,5 Prozent der Teilnehmer einen Blutspiegel über 50 nmol/L besitzen, sondern eher so um die 10 bis 20 nmol/L. Nur in einer Studie wird sozusagen der Mindestwert bei ca. 1000 IE erreicht. Alle anderen Studien liegen z.T. recht deutlich darunter und spiegeln daher wohl eher die Realität wider.
Ich möchte anfügen, dass man das auch sehr schnell selbst herausfindet, wenn man einmal selbst den Blutwert 25-OH Vitamin D im Januar misst, was ich jedem auch gern empfehlen möchte, da es auch eine individuelle Komponente gibt. Ich selbst benötige mit meinen 70 Kilogramm 8000 IE, um zu einem Wert von 130 nmol/L (entspricht 52 ng/mL) zu kommen bzw. diesen zu halten. Meine Frau hingegen mit 56 Kilogramm benötigt dafür nur 3000 IE. Und natürlich möchten wir beide gern einen Wert im Blut haben, der wohl normal ist, wenn man unter dem Äquator wohnt, nämlich ca. 130 nmol/L und nicht einen ausgedachten Wert, der wohl schon richtig für uns sein sollte, von lediglich 50 nmol/L.
Was nehmen wir mit?
Die Angaben zur „optimalen“ Menge an Vitamin D berufen sich auf eine falsche Auswertung, aber immerhin hat man es versucht. Die Menge, damit 97,5 Prozent aller Teilnehmer sicher auf einen Wert von 50 nmol/L kommen, liegt laut Paul Veugelers bei 8895 IE pro Tag.
Quelle: A Statistical Error in the Estimation of the Recommended Dietary Allowance for Vitamin D, Paul J. Veugelers et al., 2014, DOI: 10.3390/nu6104472
Quelle: Traditionally living populations in East Africa have a mean serum 25-hydroxyvitamin D concentration of 115 nmol/l, Remko S. Kuipers et al., 2011, DOI: 10.1017/S0007114511007161
Über den Autor:
“Robert Krug beschäftigt sich seit 2016 intensiv mit dem Thema Gesundheit und Ernährung im Hinblick auf die Biochemie des Menschen. Seit 2019 veröffentlicht Robert Krug Bücher zu den Themen genetisch korrekte Ernährung und zur ganzheitlichen Betrachtung des Menschen. Doch lassen wir ihn selbst einmal zu Wort kommen, wie er seinen Weg zur Biochemie gefunden hat:
"Ich liebe es, Probleme zu lösen. Das wird mit ein Grund dafür gewesen sein, dass ich 1994 Wirtschaftsinformatik studiert und warum ich leidenschaftlich gern Software programmiert habe. Mein Weg zur ganzheitlichen Medizin erfolgte aus der Not heraus, da ich in 2016 selbst erkrankte und von der Schulmedizin leider keine Hilfe bekam. So fing ich an, mich Stück für Stück mit meinen Problemen zu beschäftigen und zu lesen, um den Problemen auf den Grund zu gehen. Also das gleiche Vorgehen wie bei der Arbeit. Das war sozusagen der Start für mein inzwischen leidenschaftliches Interesse an der Biochemie und somit der Start meiner Reise." ”

In jeder Zelle wirkt Zink als stiller Regulator, als Schlüssel für unzählige Enzyme und Proteine, die das Zellwachstum steuern. Besonders bedeutsam ist seine Rolle für das Tumorsuppressorprotein p53. Dieses Protein entscheidet, ob eine Zelle sich teilt oder ob sie abstirbt, wenn in ihrem Erbgut ein Schaden entdeckt wird. Damit p53 seine Arbeit tun kann, braucht es Zink. Ohne das Spurenelement verliert p53 seine Form, kann die DNA nicht mehr richtig erkennen und fehlerhafte Zellen werden nicht mehr vernichtet. Ein stabiler Zinkstatus bedeutet also, dass die körpereigene Krebsabwehr besser funktioniert.
Zinkaufnahme und häufige Mangelursachen
Zink wird im Dünndarm aufgenommen. Transporter wie ZIP4 schleusen das Spurenelement in die Zellen der Darmschleimhaut und von dort in den Blutkreislauf. Ist die Darmschleimhaut entzündet oder durchlässig, wie es bei vielen Menschen der Fall ist, gerät dieser Mechanismus ins Stocken. Auch Medikamente wie Magensäureblocker, ACE-Hemmer, Diuretika, Antibiotika, Cortison oder Östrogene stören die Aufnahme. Selbst Menschen, die vermeintlich gesund essen, können betroffen sein. Phytate aus Vollkorn, Hülsenfrüchten und Nüssen binden Zink im Darm und verhindern seine Aufnahme. Daher haben Vegetarier und Veganer häufig einen Mangel.
Hinzu kommt, dass die wichtigsten Zinkquellen tierische Proteine sind. Fleisch, Fisch, Eier und Meeresfrüchte enthalten nicht nur viel Zink, sondern auch Aminosäuren, die die Aufnahme des Spurenelements fördern. Wer sich rein pflanzlich ernährt, nimmt meist deutlich weniger Protein auf. Die geringere Eiweißzufuhr verschärft den Zinkmangel zusätzlich, da Zink in Proteinstrukturen eingebettet ist und mit diesen in den Körper gelangt.
Bei Sportlern entsteht Zinkmangel meistens durch den Verlust über den Schweiß. Je mehr trainiert wird, desto mehr Zink geht verloren. Ältere Menschen sind ebenfalls gefährdet, da mit zunehmendem Alter die Aufnahmefähigkeit des Darms abnimmt. Auch viele Kinder leiden an Zinkmangel, weil sie häufig einseitig essen, wenig Proteine aufnehmen und die Darmgesundheit durch Zucker und Fertigprodukte belastet ist.
Zinkfingerproteine und die Krebsabwehr
Im Körper steuert Zink die Bildung sogenannter Zinkfingerproteine. Diese winzigen Strukturen enthalten Zink, die das Protein stabilisieren. Auch das Tumorsupressorprotein p53 zählt zu den Zinkfingerproteinen. Sie funktionieren nur in der durch Zink stabilisierten Form richtig. Verlieren sie ihre Form, können sie den programmierten Zelltod in entarteten Zellen nicht mehr auslösen. Die Zellen vermehren sich daraufhin unkontrolliert.
Zinkmangel wirkt aber noch auf weiteren Ebenen krebsauslösend. Einerseits durch die Fehlfunktion von p53, andererseits durch gestörte Immunprozesse. Das Immunsystem braucht Zink, um T-Zellen zu aktivieren und entartete Zellen zu erkennen. Ohne Zink werden Immunzellen träge, sie kommunizieren schlechter miteinander und Tumorzellen entkommen der Kontrolle. Außerdem führt Zinkmangel zu oxidativem Stress. Freie Radikale greifen die DNA an, und wenn Reparaturenzyme ohne ihren Zinkanteil nicht mehr richtig funktionieren, häufen sich die Schäden. Diese Kombination aus instabiler DNA, geschwächtem Immunsystem und fehlregulierten Genen öffnet Krebszellen Tür und Tor.
Die Untersuchung des Zink-Spiegels lohnt sich
Die Analyse des Zink-Spiegels im Blut kostet häufig weniger als 10 EUR. Das ist gut investiertes Geld, wenn man bedenkt, welche Auswirkung ein Zinkmangel auf das Krebsrisiko haben kann. Zink sollte nicht ohne vorherige Analyse subsituiert werden, da ein Zuviel an Zink das Immunsystem ebenfalls durcheinanderbringen kann.
Quelle: Kamaliyan Z, Clarke TL. Zinc finger proteins: guardians of genome stability. Front Cell Dev Biol. 2024;12:1448789. Published 2024 Jul 25. doi:10.3389/fcell.2024.1448789
Über die Autorin:
"Dr. Kristina Jacoby arbeitet seit 2014 Dr. U. Strunz bei der Erstellung seiner Bücher zu. Besonders fasziniert ist sie von den physiologischen Abläufen im Organismus sowie den Möglichkeiten diese mit Lebensstilveränderungen positiv zu beeinflussen.
Physiologie und Genetik waren ihre Schwerpunkte in ihrem Biologie-Studium, welches sie 2002 abschloss. Von 2004 bis 2010 studierte und promovierte sie an der Deutschen Sporthochschule Köln. Seit 2008 beschäftigt sie sich intensiv mit Meditation und praktiziert täglich.
Das sagt sie selbst zu Ihrer Tätigkeit:
„Jede Krankheit basiert auf Schieflagen im Organismus, die man aufspüren und verändern kann. Davon bin ich überzeugt. Mittlerweile gibt es etliche wissenschaftliche Veröffentlichungen, die das bestätigen. Leider ist das Wissen noch nicht in den Arztpraxen angekommen. Daher möchte ich dazu beitragen, dass möglichst viele Menschen von diesen Möglichkeiten der Heilung erfahren und in die Lage versetzt werden, sie umzusetzen.“"

Wir haben das Langweilen verlernt. Für uns sind heute zu viele Reize auf einem sehr unterschwelligen Zugang erreichbar: Der kurze Blick aufs Handy, in Sekunden wechselnde Clips auf SocialMedia Plattformen, Musik und Podcasts, der Laptop, das Tablet und so viel mehr. Wir lassen es geschehen und automatisieren ein Verhalten, welches nicht nur schädlich für unsere Gesundheit ist, nein auch für unser Miteinander.
Langeweile ist für uns kein natürlicher Zustand mehr, sondern etwas, das es sofort zu vermeiden gilt.
Wir greifen reflexhaft zum nächsten Reiz und verhindern damit einen inneren Zustand, der für unser Gehirn essenziell wäre. Nach der heutigen News werden Sie verstehen, in welchem Zustand unser Gehirn arbeitet, wenn wir uns langweilen. Sie werden verstehen, welcher Zusammenhang zu psychischen Erkrankungen dabei eine Rolle spielt und wie wir einen mentalen Raum schaffen können, der unser Gehirn wieder in die richtigen Bahnen lenkt, ohne, dass Sie stundenlang prokrastinieren.
Die Neurophysiologie hinter diesen Behauptungen verbirgt sich in dem seit 20 Jahren beforschten Default Mode Network (DMN). Es ist ein weit verzweigtes Netzwerk im Gehirn mit hochkomplexen Interaktionen, das Informationen aus Gedächtnis, Emotion, Sprache und Selbstwahrnehmung zusammenführt. Aktiv wird dieses Netzwerk immer dann, wenn wir nicht gezielt auf äußere Aufgaben fokussiert sind.
Im Default Mode Network entsteht somit durch den inneren Diskurs mit sich selbst das Gefühl von Identität, innerer Kontinuität und Bedeutung. Wir hinterfragen, analysieren, explorieren, kreieren – wir erfinden neue Welten. Diese Prozesse werden unterdrückt, wenn wir uns auf äußere Reize (Arbeit, Gespräche, Medien) fokussieren. Lassen Sie das zum Dauerzustand werden, findet im Gehirn keine Erholung statt. Sie werden stur, einfallslos, unempathisch, humorlos – kurz gesagt: unausstehlich.
Für die psychische Gesundheit ist es daher entscheidend, dass dieses Netzwerk flexibel zwischen Aktivität (innerer Modus) und Unterdrückung (äußerer Modus) wechseln kann. Stichwort: Inneres Gleichgewicht.
Das Netzwerk verliert bei dauerhafter Überreizung seine Funktionalität und bleibt entweder unangemessen aktiv (ständiges Grübeln) oder dauerhaft blockiert (innere Leere, Erschöpfung). Mit dieser gestörten Dynamik stehen zahlreiche Erkrankungen in Zusammenhang, darunter Depressionen, Angststörungen, ADHS, Burnout sowie neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer. Gemeinsam ist ihnen nicht ein „defektes“ Netzwerk, sondern der Verlust an Flexibilität.
Die Wiederherstellung der Kontrolle erfolgt daher nicht durch direkte Aktivierung, sondern durch Normalisierung der Dynamik. Entscheidend dafür sind regelmäßige reizfreie Ruhephasen. Während Meditation eine wunderbare Technik ist, um das zu trainieren, bleibt es eine Kunst, die für viele schwer zugänglich ist.
Deswegen empfehle ich simple Strategien, die aufgrund ihrer monotonen Bewegungsart oder der Möglichkeit zum kreativen Denken genau das Gleiche erreichen:
Nehmen Sie ihr Handy gar nicht erst mit. Lassen Sie die Kopfhörer zuhause. Versuchen Sie, allein zu sein.
Und? Gar nicht so leicht?
Vertrauen Sie sich: Ihre eigenen Gedanken sind oft genug spannender als Podcasts oder Telefonate. Sie haben nur keinen Algorithmus, der sie Ihnen vorschlägt.
Worauf warten Sie noch?
Quelle:
20 years of the default mode network: a review and synthesis. Neuron. 2023;111(16):2469–2487. doi:10.1016/j.neuron.2023.04.023.
Über den Autor:
“Justus Mörstedt widmete sich bis zu seinem 14. Lebensjahr in seiner Freizeit dem Triathlon, bevor er sich endgültig auf sein Lieblingselement, das Wasser, fokussierte und Finswimmer wurde. Seit 2019 ist er Sportsoldat und studiert und trainiert im Leistungszentrum Leipzig.
Doch lassen wir ihn selbst zu Wort kommen: „Hier lebe ich meinen Traum: Leistungssport und Medizinstudium. Mich fasziniert es, das neu Erlernte im Sportleralltag in die Praxis umzusetzen und somit den oft trockenen Inhalten ein wenig Leben einzuhauchen.“
Diese Kombination macht sich bezahlt: im Juli 2024 wurde er zweifach Weltmeister. Über 200 m Streckentauchen hält er den Weltrekord. Falls Sie neugierig geworden sind, was Finswimming ist, sehen Sie sich in den News um, oder werfen eine beliebige Suchmaschine an!
Forever young wurde ihm mit seinem Einstieg in den Profisport sozusagen „in die Wiege gelegt“. Sein Trainer sagte immer: „Wer hier mitmachen will, muss mindestens ein Strunz-Buch gelesen haben.“ Zu Wettkämpfen verteilte er den Sportlern immer Vitamineral 32. Mit den Jahren in Leipzig hat sich in seinem 24 Jahre jungem Kopf so einiges zusammengesammelt, was er gerne mit Sportlerkollegen unter anderem hier in den News teilt. Dabei unterstützen wir als forever young ihn als Sponsor."

Kennen Sie diesen „Gehirnnebel“ nach einer kurzen Nacht – als würde Ihr Kopf zäh laufen, obwohl Sie sich eigentlich zusammenreißen wollen? Das ist selten ein Charakterproblem. Es ist oft Biologie: Ihr Gehirn hatte schlicht zu wenig Zeit für seine nächtliche Reinigung.
Das glymphatische System: Die Müllabfuhr, die nur nachts richtig arbeitet
Lange dachte man: Das Gehirn hat kein echtes „Lymphsystem“. Und doch muss es Abfall entsorgen – jeden Tag. Genau hier kommt das glymphatische System ins Spiel: ein Reinigungsnetzwerk, das Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor) nutzt, um Stoffwechselreste aus dem Hirngewebe zu spülen.
So funktioniert’s vereinfacht, aber korrekt:
Wichtig: Dieses System läuft im Schlaf am effizientesten. Warum? Im Schlaf – besonders in tiefen Non-REM-Phasen – verändert sich die „Mikroarchitektur“: Der Raum zwischen Zellen wird funktionell günstiger für den Flüssigkeitsaustausch. Das Ergebnis: Abtransport von Stoffwechselprodukten, darunter auch Proteine wie Amyloid-β und Tau, die in der Forschung mit neurodegenerativen Prozessen in Verbindung gebracht werden.
Schlafmangel ist kein „bisschen weniger Erholung“ – sondern weniger Reinigung
Jetzt der unbequeme Teil: Wenn Sie zu wenig schlafen, fehlt nicht nur Regeneration. Es fehlt Aufräumarbeit. Dann bleiben mehr „Reste“ im System – und das kann sich subjektiv anfühlen wie:
Das ist nicht „Einbildung“. Das ist ein plausibler Mechanismus: weniger effiziente Clearance, mehr metabolischer Ballast – temporär weniger neuronale Performance.
Was Sie daraus ableiten sollten (und was nicht)
Skeptisch betrachtet: Das glymphatische System ist kein Zauberknopf. Nicht jede Müdigkeit ist „Gehirnverschlackung“. Aber die Richtung ist klar und solide: Schlaf ist nicht verhandelbar, wenn Sie langfristig kognitiv leistungsfähig bleiben wollen.
Der Fehler vieler Menschen: Sie behandeln Schlaf wie „Zeitverlust“, den man mit Kaffee kompensiert. Das funktioniert kurzfristig – und rächt sich langfristig.
Drei Hebel, die wirklich zählen
Sie brauchen keine Biohacking-Show. Sie brauchen Basics – konsequent.
Fazit: Klar denken beginnt abends
Wenn Sie mentale Klarheit wollen, starten Sie nicht morgens mit Selbstdisziplin – sondern abends mit Rahmenbedingungen. Ihr Gehirn ist kein Motor, den man nur antreibt. Es ist ein System, das Reinigung braucht.
Ihr nächster sinnvoller Schritt:
Heute Abend eine Sache weniger, die Sie „noch schnell“ erledigen. Dafür eine Sache mehr, die Ihr Gehirn wirklich weiterbringt: Schlaf.
Quellen & wissenschaftlicher Hintergrund
Über den Autor:
Dr. Matthias Wittfoth macht Hirnforschung spürbar: Als Neurowissenschaftler, Diplom Psychologe und CEO der Dr. Wittfoth Longevity GmbH synchronisiert er Gehirn, Körper und Bewusstsein für messbar mehr Lebensjahre in Vitalität.
Seine drei Power-Hebel
Dr. Wittfoth coacht Vorstände bei BCG & Co., interviewte in seinen Podcasts Inside Brains, Der Atemcode und Matthias X inspirierende Forscher, Künstler und Biohacking-Legenden. Ab Q4 2025 liefert sein neues Format einzigartige Impulse, die man nicht nur versteht, sondern sofort im eigenen Körper erlebt.
Mission: Klarer denken. Tiefer fühlen. Länger leben. – Und genau das erwartet Sie in seinen News.
