Hast du dich bei einem Marathon oder einem langen Trail schon mal so richtig „leer“ gefühlt? Der gefürchtete Mann mit dem Hammer kommt meistens dann, wenn dein Tank leer ist. Dass Kohlenhydrate (KH) während des Laufs deine Leistung steigern, ist kein Geheimnis mehr. Aber wusstest du, dass zwischen deinem Plan und dem, was tatsächlich in deinen Muskeln ankommt, oft eine riesige Lücke klafft?

Wir schauen uns heute an, warum Kohlenhydrate deine besten Freunde sind und was wir Läufer uns in Sachen Verpflegung dringend von den Radfahrern abschauen sollten.

Warum Kohlenhydrate? Dein Turbolader im Blut

Dein Körper ist wie ein Hybrid-Motor: Er kann Fett und Kohlenhydrate verbrennen. Aber wenn es um Leistung geht, gewinnt die Kohlenhydrate-Option haushoch. Warum?

  • Effizienz: KH können schneller aufgenommen und in Energie umgewandelt werden als Fett.
  • Sauerstoff-Sparmodus: Pro Liter Sauerstoff, den du einatmest, liefern Kohlenhydrate mehr Energie als Fett. Das ist entscheidend, wenn du bei hoher Intensität am Limit läufst und der Sauerstoff knapp wird.

Das Problem: Deine Speicher (Muskelglykogen) sind begrenzt. Sind sie leer, kommt die Ermüdung. Die Wissenschaft ist sich einig: Wer länger als 90 Minuten Vollgas geben will, muss nachlegen.

Deine Strategie für den Renntag: Die harten Fakten

Damit du nicht nur „irgendwie“ durchkommst, sondern deine Bestzeit knackst, empfiehlt die Sportwissenschaft eine Doppel-Strategie:

1.) Das „Fueling“ vor dem Start

  • Carbo-Loading: In den 24 Stunden vor dem Wettkampf solltest du ca. 10–12 g Kohlenhydrate pro Kilogramm Körpergewicht zu dir nehmen. Ja, das ist eine Menge Pasta!
  • Der Protein-Kick: Etwa 2-3 Stunden vor dem Start helfen ca. 0,3 g Protein pro kg Körpergewicht, den Muskelabbau während des Rennens zu minimieren.
  • Fett-Verbot: Meide fettreiche Lebensmittel kurz vor dem Start – dein Magen wird es dir danken.

2.) Die Versorgung während des Laufs

Je länger du unterwegs bist, desto mehr musst du „tanken“:

Dauer des Laufs Empfohlene Menge pro Stunde Strategie
< 60 Min. nicht nötig  
60 - 150 Min. 30 - 60 g 6-8% ige KH-Lösungen; Gels oder Sportgetränke
> 150 Min. 60 - 90 g Mix aus Glukose & Fruktose (Gels/Getränke/Salze)


Abbildung 1:
Zusammenfassung der Empfehlungen zur Kohlenhydratzufuhr nach Veranstaltungsdauer:

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Tipp: Warte nicht auf den Hunger! Nimm alle 10–15 Minuten eine kleine Menge zu dir, um deine Speicher konstant zu schonen.

Theorie vs. Realität: Was wir von Radfahrern lernen können

Eine aktuelle Studie hat das Verpflegungsverhalten von Marathonläufern und Radfahrern (Gran Fondo) untersucht. Das Ergebnis ist ein echter Augenöffner:

  • Planlos ins Ziel: 16 % der Läufer starten komplett ohne Ernährungsplan.
  • Die große Schätzung: Fast alle Athleten unterschätzen, wie viel sie tatsächlich zu sich nehmen. Im Schnitt landeten die Teilnehmer bei 31,7 g KH/Stunde – geplant waren deutlich mehr.
  • Das „Gel-Problem“: Besonders bei Gels bleibt oft ein Rest in der Packung. In der Studie wurde alles nachgewogen: Die tatsächliche Aufnahme lag oft 16–17 % unter dem Plan!

Abbildung 2: Geplante, wahrgenommene und tatsächliche Kohlenhydratzufuhr bei Läufern im Vergleich zu Radfahrern:

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Gelber Bereich = geplante Zufuhr; orange = wahrgenommene Zufuhr; blau = tatsächliche Zufuhr. Kreise, Dreiecke und Rauten innerhalb der Formen repräsentieren einzelne Athleten. Die Höhe jedes Bereichs zeigt die Streuung, während die Breite angibt, wie häufig ein bestimmtes Niveau der wahrgenommenen/geplanten/tatsächlichen Zufuhr vorkam. In jeder Hinsicht waren die Radfahrer den Läufern überlegen.

Der größte Unterschied: Radfahrer nehmen im Schnitt fast doppelt so viele Kohlenhydrate zu sich wie wir Läufer (49 g vs. 21 g pro Stunde). Warum? Sie planen akribischer, haben weniger Wettkampfangst und schlafen vor dem Rennen besser.

Interessanter Fakt: Entgegen der allgemeinen Meinung hatten Läufer in dieser Studie nicht öfter Magenprobleme als Radfahrer. Die Angst vor dem „Läufermagen“ ist also oft unbegründet – solange man das Ganze im Training testet!

Dein Masterplan für das nächste Finish

Willst du die 3-Stunden-Marke im Marathon knacken? Dann ist deine Verpflegung genauso wichtig wie dein Intervalltraining. Die Daten zeigen: Läufer, die die Marke von 60–90 g KH/Stunde erreichten, finishten mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit unter 180 Minuten.

Hier sind deine nächsten Schritte:

  • Training ist die halbe Miete: Übe deine Ernährungsstrategie bei deinen langen Läufen. Dein Magen muss lernen, die Menge unter Belastung zu verarbeiten.
  • Der Realitätscheck: Wiege deine Gels oder Getränkepulver vor und nach einem Testlauf. Wie viel hast du wirklich verbraucht?
  • Getränke statt Gels? Wenn du mit Gels kämpfst, probiere hochkonzentrierte Kohlenhydratgetränke. Sie sind oft leichter zu „schlucken“.
  • Mindset & Schlaf: Wer entspannt und ausgeschlafen an den Start geht, vergisst seinen Ernährungsplan seltener.

*Hinweis: Diese Empfehlungen beziehen sich auf die Wettkampfdauer. Im Training kann es wie schon mehrmals bei uns im Blog geschrieben Sinnvoll sein, weniger Kohlenhydrate zu sich zu nehmen!

Foto: https://www.maurten.com

*Quelle und Verweise:

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