Nachdem wir uns in der letzten Woche dem Krafttraining gewidmet und Studien zu den verschiedenen Phasen geprüft haben, gilt es nun, verletzungsfrei durch den Winter zu kommen. Dafür steht unser Guide zur Kraft-Periodisierung für den Marathon speziell für uns Läufer bereit. Das Geheimnis liegt also nicht darin, wie Fitnesspumper das maximale Gewicht stemmen, sondern darin, das Krafttraining periodisiert an dein Lauftraining anzupassen.
Warum eigentlich Krafttraining?
Bevor wir in den Plan einsteigen, kurz das „Warum“
Krafttraining für Läufer verfolgt zwei Hauptziele:
Die 4 Phasen deiner Marathon-Vorbereitung
Ein typischer Marathonzyklus dauert etwa 20 bis 24 Wochen. So passt du dein Krafttraining an:
Phase 1: Die Basis (Anatomische Anpassung & Hypertrophie)
Wann: Woche 24 bis 18 vor dem Rennen
Fokus: Vorbereitung des Körpers & Muskelaufbau
In dieser frühen Phase hast du noch keine extrem langen Läufe auf dem Plan. Das ist die perfekte Zeit, um muskuläre Schwachstellen auszumerzen und die Belastbarkeit von Sehnen und Bändern zu erhöhen. Wir arbeiten hier im klassischen Hypertrophie-Bereich (Muskelaufbau).
Phase 2: Der Gamechanger (Maximalkraft)
Wann: Woche 17 bis 11 vor dem Rennen
Fokus: Rekrutierung der Muskelfasern
Das ist die wichtigste Phase für deine Leistung. Während deine Laufumfänge steigen, schalten wir im Kraftraum ein paar Gänge hoch. Wir trainieren Maximalkraft. Keine Sorge: Du wirst dadurch nicht zum Bodybuilder und baust keine unnötige Masse auf, da das Lauftraining die massiven Hypertrophie-Signale „überschreibt“. Stattdessen verbesserst du deine neuronale Ansteuerung.
Phase 3: Der Transfer (Spezifische Kraft & Erhalt)
Wann: Woche 10 bis 3 vor dem Rennen
Fokus: Kraft erhalten bei maximalem Laufumfang
Jetzt wird es ernst auf der Straße. Die Intervalle werden härter, der lange Lauf erreicht sein Maximum. Im Kraftraum treten wir einen Schritt zurück. Wir wollen die gewonnene Kraft erhalten, uns aber nicht völlig abschießen.
Phase 4: Das Finish (Tapering)
Wann: Die letzten 2 Wochen
Fokus: Komplette Regeneration
In der Tapering-Phase reduzierst du alles. Krafttraining mit schweren Gewichten ist jetzt tabu. Konzentriere dich auf leichte Mobilitätsübungen, Core-Stabilität und darauf, die Glykogenspeicher zu füllen.
Was ist mit Kraftausdauer?
Ein häufiger Fehler: Läufer machen im Fitnessstudio oft 20, 30 oder mehr Wiederholungen mit wenig Gewicht. Lass das bleiben! Warum? Weil Laufen an sich schon Kraftausdauer ist. Jeder Schritt bei einem 10-km-Lauf oder Marathon ist eine Kraftausdauer-Wiederholung. Im Gym willst du einen Gegenreiz setzen. Und dieser Reiz heißt: Hohe Lasten.
Die "Golden Rules" für die Integration
Fazit: Krafttraining ist kein notwendiges Übel, sondern das Fundament für einen starken Zielsprint. Fang früh in der Saison mit der Basis an und trau dich in der Mitte der Vorbereitung an die schweren Gewichte. Deine Beine werden es dir bei Kilometer 35 danken!
Die "Big 5" für deine Maximalkraft-Phase
Diese Übungen bilden das Fundament. In der Maximalkraft-Phase gilt: Schwere Gewichte, wenig Wiederholungen, volle Konzentration.
1. Kniebeugen (Back Squats)
2. Kreuzheben (Deadlifts) – Tipp: Trap-Bar
3. Einbeinige Kniebeugen (Bulgarian Split Squats)
4. Schweres Wadenheben (Weighted Calf Raises)
5. Weighted Step-Ups
Qualität schlägt Quantität !
In der Maximalkraft-Phase ist es egal, wie sehr du schwitzt. Entscheidend ist, dass du jedes Mal, wenn du das Gewicht bewegst, 100% neuronale Energie hineingibst. Wenn du dich nach dem Training nicht ‚ausgepowert‘, sondern eher ‚nervlich gefordert‘ fühlst, hast du alles richtig gemacht.