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Trainingsurlaub in Side-Sorgun/Türkei - Ein Reisebericht

Ein Reisebericht von Reinhold Schneider

Monika wollte schon länger mal wieder in die Türkei. Da ich Greifnewsletterempfänger bin, ist mir das Angebot eines Trainingsurlaubes für diese Frühjahr aufgefallen. Da es terminlich passte, haben wir Ende Januar kurz vor Annahmeschluss gebucht. Monika mit der Hoffnung auf ein paar warme Sonnenstrahlen und ich auf ein erweitertes Hotelanimationsprogramm??

10 Tage vor Reiseantritt kamen die Reiseunterlagen. Ohje, auf was habe ich mich da eingelassen? Doch der Reihe nach.

Abflug Samstagabend. Ankunft im Hotel halb 4 Uhr Sonntagmorgen. Auf 7:00 Uhr den Wecker gestellt. Es regnet, also weiterschlafen.

Sonntagabend die erste Trainingseinheit. Wir treffen uns vor dem Hotel und traben alle gemeinsam ca. 2km zur Temporennstrecke. Hier werden alle zeitrelevanten Läufe durchgeführt, erfahre ich später. 3x 3000 m ist angesagt. Ein breiter Bürgersteig an einer wenig befahrenen Straße. 1,5km Wendepunkt. Nach dem ersten Einlauf teilt Peter Greif 6 Gruppen in der Reihenfolge des Zieleinlaufes ein.

In den zwei Wochen verhalten sich die Gruppen ähnlich unserer Lauftreffgruppen. Alle laufen ca. die gleiche Zeit, nur unterschiedliche Entfernungen. Ich werde der Gruppe 5 von 6 Gruppen zugewiesen. Hier bin ich fast der Leistungsschwächste, was sich auch später bewahrheiten wird.

Zum Leistungsniveau der Laufkursteilnehmer ist zu sagen, dass es ungefähr unserem Sonntagsläuferschnitt entspricht, allerdings mit einer überschießenden Spitze. Das heißt, das noch viele Marathonis dabei waren, die Zeiten unter 3 Std. laufen.

Montagmorgen war Gymnastik unter der Anleitung von Sylvia Renz. Eine Laufgazelle ähnlich unserer Iris Biba. Sie konnte verletzungsbedingt zweimal nicht an Olympia teilnehmen, aber ehemaliges internationales Niveau. Verdient heute Ihre Brötchen mit Physiotherapie und massiert verdammt gut.

Montagmorgen erster regenerativer Lauf. Montagabend erster extensiver Lauf.

Die Laufstrecken für meine Gruppe gingen vom Hotel um einen kleinen See und wieder zurück. Abends noch mit einem kleinen Schlenker zum Strand. So kommen morgens die 7,5 km und abends die 13 km zustande. Morgens halt in einem etwas langsameren Tempo. Gymnastik wechselte sich mit Stabi- und Dehnungsübungen ab. Vor Tempoläufen waren keine Übungen. Die Tage wechselten sich abends immer mit Tempoeinheiten und extensiven Erholungsläufen ab. Morgens war immer regenerativer Erholungslauf.

Am dritten Tag war 10km Tempolauf mit einer interessanten Variante. Gewinner war nicht der schnellste, sondern der, der seine vorhergesagte Zeit am nahesten kam. Wir mussten alle unsere Uhren abgeben und so ohne Instrumente und Pulsmesser orientierungslos durch die Gegend irren. Ich lag 2 Minuten 14 Sek. daneben. Der Sieger hatte seine vorhergesagte Zeit um 2 Sek verfehlt, der zweitplazierte lag um 4 Sek. daneben. Als Einsatz hatte wir alle 3 € gezahlt, die der Sieger erhielt. Dafür durfte er (einer Tradition folgend) die Getränke im Ziel des ersten Taurusgebirgslaufes über 35 km übernehmen.

Am Mittwoch wieder regenerativer Lauf morgens und extensiver Lauf abends. Am Donnerstag nun wieder absolutes Neuland für mich (80% der Teilnehmer sind Wiederholungstäter und wissen, was auf Sie zukommt). Zwei Busse wurden von Peter Greif gechartert, mit denen wir ins Hinterland fuhren. In Tasagil geht's los. Alle 15 Minuten wird eine Gruppe gestartet. Die Gruppe 6 zuerst. Die Renngazellen der Gruppe 1 somit 1,25 Std. später. Somit ist gewährleistet dass alle ungefähr zur gleiche Zeit im Ziel in Beskonak nach 35 km ankommen.

Das Ziel ist eine Terrasse an einem schönen türkisfarbenen Gebirgsfluß. Hier gibt´s Forelle in Weinblätter oder Hühnchen. Die beiden Busse fahren jeweils am Wechsel an die Versorgungsstellen alle 5 km. Also Bus 1 zu Stecken km 5, 15 und 25. Bus 2 an Stecken km 10, 20 und 30. Dort werden die Getränkeflaschen bereitgehalten und jeder Läufer hat die Möglichkeit auszusteigen oder 10 km mit dem Bus mitzufahren. Fast alle entscheiden sich für die 35 km zu Fuß. Ich auf Anraten eines erfahrenen Greifteilnehmers nehme von vorhinein die 25 km in Angriff. Nur, an diesem Tag ist beschissenes Wetter. Die erste Gruppe muss den Bus verlassen, als gerade ein Wolkenbruch herniederprasselt. Aber Läufer sind ja halt im Nehmen. Ich laufe mit der Gruppe 5 eine Viertelstunde später los. Auch bei uns gießt es, wie auch fast während des ganzen Laufes in Strömen.

Ich halte als Leistungsschwächster mit den 6 anderen Läufern (auch 2 Frauen) ganz gut mit steige aber bei km 25 aus. Tretschnass bis auf die Haut ziehe ich mich im Bus um und schlüpfe in trockene Klamotten. Monika hilft bei der Streckenversorgung der nassen Straßenrenner. Die oberen Gruppen veranstalten hier auch übrigens (ähnlich wie bei uns) Ihre kleinen Untereinanderkämpfchen.

Nun geschafft und am nächsten Tag wieder regenerativ und extensiv. Bin aber mittlerweile ganz schon kaputt. Merke ich am Samstag bei der Treppe. Die vorletzte Stufe bringt mich an den Rand der Erschöpfung und die letzte Stufe (2500m) lasse ich aus.

Sonntag hat Monika Geburtstag und ich gönne mir einen Tag Ruhepause. Wir frühstücken an einem vom Hotel geschmückten Geburtstagstisch und machen uns einen schönen Tag in Side.

Am Montag wieder morgens regenerativ und abends die Staffel. Die Staffel wurde folgendermaßen eingeteilt. Der bei den 10 km langsamste durfte zuerst wählen und nahm natürlich den schnellsten Läufer, der zweitlangsamste den zweitschnellsten usw. Es waren 15 Staffeln. Nachdem alle 15 langsamsten die 15 schnellsten als Partner gewählt hatten, wurde der dritte Staffelläufer nach dem gleichen Prinzip dazu gewählt. So waren 15 relativ gleichmäßig besetzte Staffeln zusammengestellt. Es ging wieder um 3€ Startgeld, das die Gewinnerstaffel als Siegprämie bekam. Nun läuft man jetzt nicht für sich, sondern für die Staffelkollegen. Ich kann Euch sagen, es waren die schnellsten 2000m meines Lebens. Bin noch nie so lange am Anschlag gelaufen. War trotzdem toll und hat viel Spaß gemacht. Hat aber trotzdem nichts genützt. Meine Staffel wurde nur 11. Das Preisgeld hat die Siegerstaffel als Busgeld gesponsert, damit der Buspreis von 10€ für die Freitagstour gehalten werden konnte.

Dienstag wieder Trabtag!!! Mittwoch nach Morgenlauf 15 km gegen die Uhr auf der Tempostrecke. Nun merkte ich doch das viele Training, weil ich nach 10 km schon platt war und massig abbaute. Aber wir waren ja nicht zum Vergnügen hier.

Donnerstag nun wieder Regenerativ und Extensivlauf. Wobei ich abends nur verkürzt lief, weil ich am Freitag die 35 km ins Taurusgebirge schaffen wollte.

Freitag 10.15 Uhr Treff am Bus der pünktlich um halb 11 nach Tasagil losfuhr. Ich hatte mich entschlossen, um sicher durchzukommen mit der Gruppe 6 loszulaufen. Nach 5 km sprengte sich die Gruppe. Zwei liefen vorneweg und ich mit zwei Frauen nach. Der Rest der Gruppe 6 blieb nach uns zusammen. Nach 15 km überholte uns die erste nach uns gestartete Gruppe. Da ich mich entschlossen hatte, auf jeden Fall die 35 km auch nach den beschwerlichen zwei Wochen vorher durchzuhalten bin ich als alter Kater bei den zwei Laufkätzchen geblieben und mit Ihnen bis zum Ziel im Schongang durchgelaufen. So konnte ich Landschaft und Leute genießen. Monika half wieder am Bus bei der Getränkeausgabe für die Läufer und Läuferinnen. Es war an diesem Tag im Gegensatz zum letzten Donnerstag gut heiß und jeder Schluck willkommen.

Resümee:
Zwei anstrengende aber tolle Wochen. Die Läufer beim Peter Greif sind ähnlich drauf, wie wir Sonntagsläufer. Sportlicher Ehrgeiz gewappnet mit einem Schuss Menschlichkeit, Toleranz und trotzdem eine lustige Truppe, die immer zu Späßen bereit war. Bei den Mahlzeiten haben wir immer wechselnd an 8er Tischen zusammen gesessen. Abends in der Bar immer noch einen gemeinsamen Dämmerschoppen für die nötige Bettschwere. Das Haus war sehr gut, die Betreuung durch Peter Greif und sein Team exzellent und die ganze Veranstaltung ist sehr empfehlenswert. Sowohl für Läufer, wie auch für begleitende Urlauber.

Reinhold Schneider

 
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